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Zweigelt - Österreichs charmanter Rotweinstar

Im Glas verströmt er einen Duft nach reifen Kirschen, legt sich mit seinen seidigen Tanninen ganz fein an den Gaumen und endet mit einem dezent würzigen Finale: der Zweigelt – Österreichs erfolgreichste rote Rebsorte.

Von Petra Bader 

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die 1922 in Klosterneuburg ihren Anfang nahm. Dort arbeitete Dr. Friedrich Zweigelt – späterer Direktor der ortsansässigen Höheren Bundeslehr- und Bundesversuchsstation für Wein-, Obst- und Gartenbau – an einer Rebsortenkreuzung, die sich perfekt für den Anbau in den österreichischen Weinbaugebieten eignen sollte. Das Ziel war es auch, die Vorzüge der beiden Elternteile, den Biss des Blaufränkisch und den Körper des St. Laurent, in einer Sorte zu vereinen. Das gelang bravourös. Ursprünglich hieß die neu entstandene Rebsorte Rotburger. 1975 und einige Verwechslungen mit der Rebsorte Rotberger (Trollinger x Riesling) später, wurde auf Bestreben von Lenz Moser die Sorte in Zweigelt umbenannt und somit dem Entdecker und Züchter der heute erfolgreichsten heimischen roten Rebsorte ein Denkmal gesetzt.

Friedrich Zweigelts Familie lebte übrigens in Langenlois und besaß dort auch eigene Weingärten. Seit einigen Jahren sind diese im Besitz von Willi Bründlmayer, einer der Winzer, die es ideal verstehen mit dem Zweigelt umzugehen. Bründlmayer baut ihn in heimischen, großen Fässern aus Eiche des Mannhartsberger und Ernstbrunner Waldes aus. Seine substanzreichen Zweigeltweine lieben diese Reifebedingungen und Bründlmayer unterstreicht somit gleichzeitig ihren gebietstypischen Charakter. Er füllt seinen Zweigelt entweder solo oder lässt ihn als idealen anpassungsfähigen Cuvéepartner agieren. Besonders deshalb, weil er, wie kaum eine zweite Sorte, der Cuvée Schmelz gibt und sich mit seinen Aromen nicht in den Vordergrund drängt.

Der urösterreichische Klassiker

Der Zweigelt ist hauptsächlich in den östlichen Gebieten Niederösterreichs und im Burgenland verbreitet. Grundsätzlich wächst er aber in allen österreichischen Weinregionen. Er liegt hinter dem Grünen Veltliner an zweiter Stelle der nationalen Anbaustatistik und steht in gut zwölf Prozent aller heimischen Weingärten. Somit ist keine andere neu gezüchtete Sorte so erfolgreich. Im Weingarten und auch im Keller ist der urösterreichische Klassiker sehr dankbar. Er ist relativ robust bei Trockenheit und Krankheiten und dazu sehr ertragssicher, wenn er auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden wächst. Um wirklich hohe Qualitäten mit gutem Lagerpotenzial zu erreichen, muss die Erntemenge rigoros beschränkt werden. Verglichen mit seinen Eltern reift der Zweigelt zudem früher als der Blaufränkisch, treibt aber später aus als der St. Laurent. Somit ist die Gefahr von Frostschäden gering. Außerhalb Österreichs konnte sich der Zweigelt, bis auf kleine Flächen in Deutschland (rund 100 Hektar), England und in Osteuropa, noch nicht durchsetzen.

In Österreich ist er jedoch sehr beliebt. Er ist als Rotwein "Everybodys Darling", denn er hat keine Ecken und Kanten, aber trotzdem Saft und Kraft. In der Verkostung zeigen die Weine, dass sie schon früh genussreif sind. Das typische optische Erscheinungsbild ist eine dunkle, oft lila durchwirkte Farbe mit viel Dichte. Ebenso klar und wiedererkennbar ist das Duftprofil von Kirschen und verschiedensten Beerentönen. Am Gaumen spielt er mit seiner samtigen Tanninstruktur – sicher mit ein Grund, warum sich die Weine schon jung gut trinken lassen. Sehr gut verträgt er die Reifung im großen Holzfass, aber auch im Barrique macht er gute Figur. Der Ausbau im Edelstahltank ist für unkomplizierte, fruchtbetonte Zweigelt perfekt. Hier ist das Fingerspitzengefühl des Kellermeisters gefragt, denn die Weine brauchen eine gewisse Luftzufuhr, da sie sonst zu reduktiv schmecken.

Hannes Trapl, Winzer im Niederösterreichischen Carnuntum, baut den Zweigelt für seinen "Rubin Carnuntum" zu 100 Prozent und für rund neun Monate im Barriquefass aus. Dem voran gehen eine strenge Selektion der Trauben im Weingarten, eine geschlossene Vergärung und anschließende Maischestandzeit für etwa 20 Tage. Er füllt nach dem Pressen und eintägigem Absetzen sofort ins Barrique, wobei mit dem Ziel eines moderaten Holzaromas nur jedes fünfte der Fässer ein ganz neues ist. "Der Zweigelt ist für mich eine besonders charmante rote Rebsorte. Der Ausbau im Holzfass kommt ihm sehr entgegen, unterstreicht den Rebsortentyp ideal", so Trapl. Er weiß, wovon er spricht, denn er ist erfolgreich mit seiner Philosophie. Sein "Rubin Carnuntum" errang aktuell den ersten Platz beim prestigereichen "Zweigelt Grand Prix" des "Falstaff"-Magazins. Im gleichen Gebiet gelegen und nicht weniger hoch bewertet ist das Weingut Pitnauer in Göttlesbrunn. Seit 1986 trägt der jeweils beste Zweigelt des Jahres den ornithologischen Namen "Bienenfresser". Der exotische, farbenprächtige Vogel ist in den Göttlesbrunner Weingärten heimisch und ziert auch Pitnauers Etikett.

 
Bründlmayer Langenloiser Zweigelt

Bründlmayer Langenloiser Zweigelt

Willi Bründlmayer, 2010, 0,75 l
frisch & würzig

Österreich, Niederösterreich, Kamptal
Best.Nr. 3715383
EUR 9,99
 
 
Trapl Rubin Carnuntum

Trapl Rubin Carnuntum

Weingut Trapl, 2010, 0,75 l
füllig & würzig

Österreich, Niederösterreich, Carnuntum
Best.Nr. 6950255
EUR 10,49
 
 

Dichter, sanfter Riese

Auf den rotschottrigen Böden von Gernot Heinrichs "Heideboden" in Gols, einem idealen Terroir zwischen der Parndorfer Platte und dem Neusiedler See gelegen, wächst der Zweigelt zu einem dichten, sanften Riesen heran. Auch auf den lehmigen Braunerdeböden von Josef Reumann im mittelburgenländischen Deutschkreutz fühlt sich der Zweigelt sichtlich pudelwohl. Der Wein duftet hier nach dunklen Beeren und der Würze von Lebkuchen. Beide Winzer profitieren im Weingarten vom Einfluss des Sees. Dieser spendet im Winter die richtige Dosis an Wärme, im Sommer bringt er einen sanft kühlenden Einfluss. Noch gemeinsam haben die beiden Weingüter die Ausbaustilistik beim Zweigelt. Der Wein wird nach der Vergärung in großen Holzständern und in gebrauchten Barriquefässern gereift. Dort atmet er durch die Holzporen und gewinnt somit noch das Quäntchen mehr Komplexität.

Aber nicht nur in klassischen Rotweingebieten Österreichs funktioniert der Anbau von Zweigelt. Auch in der stark weißweingeprägten Steiermark hat er einen ziemlich großen Stellenwert. 90 Prozent aller roten Steirer sind Zweigelt. Walter Skoff ist schon jahrelang ein Garant exzellenter Weine aus dieser Sorte, die hier im Vergleich zu anderen Weinregionen immer einen Tick fruchtbetonter ausfallen. Die großen Temperaturunterschiede im letzten Abschnitt der Traubenreife begünstigen nämlich die starke Fruchtigkeit der Beeren. Ein guter steirischer Zweigelt duftet immer verschwenderisch nach Kirschen, wobei es hier der kühlere Weichselkirschton ist. Außerdem sind die steirischen Zweigeltweine von schlankerer Eleganz.

Fixplatz in der Rotwein-Oberliga 

Mit seiner Rebzüchtung hat Dr. Zweigelt einen wahren Bestseller geschaffen. Zum einen weil der Wein heute in der Oberliga der österreichischen Top-Rotweine seinen Fixplatz hat. Zum anderen, weil er auch für Wein-Novizen eine Annäherung an das Thema Rotwein schafft. Seine Präsenz, Substanz, attraktive Fruchtigkeit und sanften Tannine machen ihn zum wunderbaren Speisenbegleiter. Besonders gut passt er in der klassisch ausgebauten, leichteren Variante zu Pastagerichten, gebratenem Geflügel oder auch mal zu kräftigem Fisch. Leichte Zweigeltweine können durchaus etwas gekühlt bei 14 bis 16 Grad getrunken werden, denn das unterstützt ihre Fruchtigkeit. Dichte, voluminöse Zweigelt, die im Barrique gereift sind, schmecken perfekt zu Wildgerichten und fruchtigem Hartkäse.

 
Gernot & Heike Heinrich Guter Zweigelt vom Heideboden

Gernot & Heike Heinrich Guter Zweigelt vom Heideboden

Gernot Heinrich, 2009, 0,75 l
füllig & würzig

Österreich, Burgenland
Best.Nr. 7401046
EUR 12,99
 
 
Pitnauer Zweigelt Bienenfresser

Pitnauer Zweigelt Bienenfresser

Weingut Familie Pitnauer, 2010, 0,75 l
füllig & fruchtig

Österreich, Niederösterreich, Carnuntum
Best.Nr. 5052783
EUR 13,49