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DAC - Vom Wert der Herkunft
Brünnerstrassler und Gumpolds waren seinerzeit gängige Ausdrücke für Weintypen, deren Geschmacksstil allen klar war. Dann brach die Ära der Rebsorten-Weine an, deren geographischer Ursprung austauschbar war. Heute soll der Wert der Herkunft über Districtus Austriae Controllatus DAC wieder aufleben.
Von Luzia Schrampf
Brünnerstrassler war ein Begriff, mit dem selbst heute jeder etwas anzufangen weiß, der mit österreichischem Wein vertraut ist. Brünnerstrassler stand für einen trockenen, nicht allzu kräftigen Weißwein, der durchaus etwas "rescher" ausfiel und entlang der Brünnerstraße gewachsen ist, die von Wien aus gen Norden ins Weinviertel führt.
Der Weintyp hatte seine Anhänger, genauso wie es Weintrinker gab, die vielleicht dem volleren, charmanteren "Gumpolds" den Vorzug gaben. Sowohl beim Brünnerstrassler wie auch beim Gumpolds war klar, worauf man sich da einließ. Standen doch die Begriffe für Weintypen, deren typischer Stil mit ihrer Herkunft in Verbindung gebracht wurde, auch wenn die eigentliche Geschmacksausprägung dann von Winzer zu Winzer variierte.
Aus dem Brünnerstrassler wird Weinviertel DAC
Die Brünnerstrassler und Gumpolds der heutigen Zeit heißen Weinviertel DAC, Kamptal DAC, Kremstal DAC oder Mittelburgenland DAC. Die drei Buchstaben stehen für Districtus Austriae Controllatus, was einem System der Herkunftsbezeichnung à la DOC bzw. DOCG in Italien, DO in Spanien oder AOC in Frankreich entspricht. Dieser Zugang zum Wein ist in ganz Europa üblich. Nur in Deutschland und Österreich orientierte man sich bis vor wenigen Jahren an Rebsorten und Zuckergradationen. Da aber Rebsorten überall wachsen können, wenn auch schlechter oder besser, abhängig von den jeweiligen Umständen, sind sie auch verwechselbarer, vor allem, wenn ihnen keine Herkunft mitgegeben wird, die aus dem Wein etwas Einzigartiges macht.
Qualität und Herkunft
"Zu was brauch ma des?" lautet die am häufigsten gestellte Frage, egal, ob von Produzenten oder von Konsumentenseite. Hat ja bisher auch ganz gut geklappt. Weinverkauf ist allerdings kein Selbstläufer mehr, und die Märkte werden enger. Je genauer man sich positioniert und je "einmaliger" das Produkt ist, desto leichter tut man sich auf dem Markt, vorausgesetzt, dass die Qualität eine hohe ist. Der Punkt "Qualität" ist für österreichischen Wein erfüllt. Auf der Suche nach noch besseren Vermarktungsmöglichkeiten entschloss man sich vor rund zehn Jahren daher zu dieser grundlegenden Änderung.
DAC ist als Vereinbarung über Grundqualität und generellen Stil gedacht. Erstellt werden die jeweiligen Regionsspielregeln in Diskussionen der Weinwirtschaftsrepräsentanten eines jeweiligen Gebietes: Das bedeutet, dass die Interessen von Produzenten, Handel und Vermarktern, die nicht notwendigerweise dieselben sind, unter einen Hut gebracht werden müssen.
Markus Huber arbeitet aktiv an der DAC-Strategie des Traisentals mit.
Sieben österreichische Weinbaugebiete haben es bisher geschafft, die Diskussionen in den Regionalen Komitees (RK) über einen typischen Weinstil zu einem Ergebnis zu bringen. Den Anfang machten die Weinviertler, die mit dem Weinjahrgang 2002 im Frühjahr 2003 mit "Weinviertel DAC" auf den Markt kamen. Grüner Veltliner, so legten sie fest, ist die typische Rebsorte der Region, der frisch-fruchtig mit der charakteristischen Würzigkeit schmeckt. Der Wein sollte mindestens mittelkräftig sein, mindestens fünf Euro wert sein – mit nach oben hin offener Skala. Und die Weine, die sich Weinviertel DAC nennen wollen, müssen sich einer speziellen Verkostungskommission stellen.
Die Verordnung bewirkte in der großen, sehr zersplitterten und qualitätsmäßig nicht zuoberst angesiedelten Region einen Qualitätsschub, der sich sehen lassen konnte. Im Laufe der Zeit stellten sich einige Schwachpunkte heraus, zum Beispiel, dass es keine Alkoholgrenze nach oben gab und unter Weinviertel DAC sowohl ein kräftiger Einzellagenwein als auch ein frisch-fröhlicher Einstiegs-Veltliner verkauft werden konnte. Mit dem Jahrgang 2010 wird es daher mit "Weinviertel DAC Reserve" eine neue Klasse für kräftige Veltliner geben.
Eine Reserve-Liga hatte das Mittelburgenland, auch als Blaufränkischland bekannt, als zweite DAC-Region von Beginn an eingeführt. Verwirrenderweise waren Mittelburgenländer-DAC-Weine der Rebsorte Blaufränkisch aber dann in drei Stufen zu haben: als mittelkräftiger "Blaufränkisch klassisch", der neben den typischen kirschfruchtigen und erdig-würzigen Blaufränkischaromen keinen Geschmack nach Holz aufweisen darf, und als kräftiger Blaufränkisch Reserve, dem auch längere Reife gegönnt sein kann und der einen leichten Holzton haben darf und Weine mit Lagenbezeichnung sozusagen als Mittelstufe.
Die Weißweinregion Traisental war die erste, die DAC für zwei Rebsorten, nämlich für Riesling und Grünen Veltliner, etablierte. Was zur Folge hatte, dass auf den Etiketten Rebsorten angeführt werden mussten, die man bei Weinviertel und Mittelburgenland, wo es immer nur eine Sorte ist, weglassen konnte. Kremstal DAC und Kamptal DAC beziehen sich ebenfalls auf die beiden Rebsorten Riesling und Grüner Veltliner, die je nach Power des Weines in Kremstal bzw. Kamptal DAC und Kremstal DAC Reserve unterschieden werden. Gefordert wird von allen diesen Weinen ein klarer Sortencharakter und eine klare Unterscheidbarkeit in der Kraft der Weine.
Die jüngste Generation
Die beiden jüngsten DAC-Familienmitglieder ab Herbst 2010 sind das Südburgenland mit Eisenberg DAC und Leithaberg DAC. Der Name Eisenberg bezieht sich auf die Bezeichnung der Weine in der Geschichte: Eisenberger. Der Eisenberg ist der bekannteste Berg im Südburgenland und gibt auch gleich Aufschluss über die Bodenstruktur, die den sehr eigenwilligen Geschmack der südburgenländischen Blaufränkischen bestimmt: Eisenhältiger Lehm sorgt dafür, dass die Eisenberger DAC einen schlankeren, metallisch-mineralischen Geschmack aufweisen.
Leithaberg DAC ist die erste weinbaugebietsübergreifende DAC-Regelung. Sie bezieht sich auf die Region des ostseitigen Leithagebirges, ein Gebiet, das vor wenigen Jahren durch die Gruppe der 15 Leithaberg-Winzer wieder in den Fokus gerückt ist. Im Mittelpunkt von Leithaberg DAC stehen Weine aus weißen Burgundersorten aber mit Grünem Veltliner, die in der Cuvée oder reinsortig verarbeitet werden können. Roter Leithaberg DAC ist Blaufränkisch, bei dem aber ein maximaler Anteil von 15 Prozent Zweigelt, Pinot Noir und/oder St. Laurent zugelassen ist, wie es das Gesetz für EU-Reinsortigkeit vorsieht: Leithaberg DAC-Weine sind schlankere, elegante, fruchtbetonte und terroirgeprägte Tropfen, bei denen die Finesse im Vordergrund steht.
Für Weinkonsumenten wie auch für viele Winzer bedeutet DAC mit allen seinen bezeichnungsrechtlichen Änderungen einen harten Lernprozess, wie alles, das wegführt von Gelerntem und Gewohntem. In der Vermarktung österreichischer Weine bedeutet es allerdings einen Fortschritt, wenn die Herkunft in den Mittelpunkt gerückt wird. Musste man früher noch erklären, weshalb österreichischer Riesling anders schmeckt als deutscher, könnte sich das in Zukunft erübrigen: In einer idealen Weinwelt greifen Weintrinker ohnehin bewusst zu dem, wonach ihnen gerade ist.
Fragen an Mag. Willi Klinger, ÖWM Geschäftsführer
Welche Vorteile hat man als Weintrinker von den Herkunftsbezeichnungen wie zum Beispiel Mittelburgenland DAC auf den Etiketten?
Die Herkunftsbezeichnungen gab es auch früher auf den Etiketten. Aber sie sagten nichts über den Wein aus, der in der Flasche war: Es konnte alles sein, von weiß über rot bis süß. DAC bedeutet, dass die Herkunftsbezeichnungen für ganz bestimmte Weintypen stehen. Ein Mittelburgenland ist immer ein Blaufränkisch, ein Weinviertel ist ein Grüner Veltliner. Alle anderen Sorten werden unter der Bezeichnung Burgenland bzw. Niederösterreich vermarktet, was überhaupt kein Nachteil ist, weil ja der Winzer und die staatliche Prüfnummer symbolisiert durch die rot-weiß-rote Kapsel für die Qualität bürgen.
Ist DAC die Strategie der Zukunft des österreichischen Weins?
Ja absolut: Wir wollen in jedem Weinbaugebiet die Stärken hervorheben – also die besten gebietstypischen Weinarten im Marketing voranstellen, ohne die Vielfalt einzuengen. Die weniger gebietstypischen Qualitätsweine tragen andere Herkunftsbezeichnungen.
Kann man auf dem internationalen Parkett Weine nur über die Herkunft vermarkten?
Reine Rebsortenweine sind austauschbar. Nur die Herkunft garantiert Unverwechselbarkeit. Deswegen wird Herkunft nicht nur beim Wein, sondern auch bei den Lebensmitteln immer wichtiger, besonders im Hinblick auf die Globalisierung und Industrialisierung der Landwirtschaft. Übrigens tragen alle großen Weine der Welt eine besondere Herkunft mit hohem Image. Es ist unser Ziel, den guten Ruf der Weinbaugebiete, der ja auch das Produkt attraktiv macht, auszubauen und gemeinsam mit dem gebietstypischen Wein im Bewusstsein des Konsumenten zu verankern.
Mit dem Jahrgang 2009 sind zwei neue DAC-Regionen zugelassen. Könnten Sie die beiden Regionen Eisenberg und Leithaberg und ihre typischen Weine kurz vorstellen?
Rund um den Eisenberg im idyllischen Südburgenland wachsen besonders feinfruchtige und würzige Rotweine aus der Sorte Blaufränkisch. Die kraftvollen Versionen des Eisenberg DAC tragen die Zusatzbezeichnung Reserve und zählen zu den ganz großen Rotweinen Österreichs. Vom Leithagebirge westlich des Neusiedler Sees kommen sowohl große Blaufränkisch, als auch ganz wunderbare Weißweine aus den Sorten Weißburgunder, Chardonnay, Grüner Veltliner und Neuburger. Nur diese Sorten sind für Leithaberg DAC zugelassen. Ob Leithaberg weiß oder rot: Diese unverwechselbaren Weine sind immer kräftig und geprägt von den sehr mineralischen Böden dieser Gegend.
Welche weiteren Regionen könnten Sie sich als neue Mitglieder der DAC-
Familie vorstellen?
Derzeit gibt es sieben DAC. Ich bin sicher, dass die DAC-Familie auch im nächsten Jahr Zuwachs bekommen wird. Im Burgenland fehlt noch das Gebiet östlich des Neusiedler Sees, wo wie in Carnuntum der Zweigelt vorherrscht. Aber auch in der Steiermark sind mit Schilcher in der Weststeiermark und den großen Sauvignonsterroirs hochinteressante DAC zu erwarten. In Wien profiliert sich der Gemischte Satz gerade als Top-Wein. Der Wagram mit seinen Lössterrassen ist eines der aufstrebendsten Veltliner-Gebiete. Und gerade erwacht auch die Thermenregion südlich von Wien mit Zierfandler, Rotgipfler, Sankt Laurent und Pinot Noir aus einem langen Dornröschenschlaf. Mit derart spannenden Entwicklungen geht die international beachtete Aufwärtsentwicklung des österreichischen Weins mit voller Dynamik weiter.











