Journal Stories
- Top Stories
- Archiv
- Weine - neue Welt
- Weine - alte Welt
- Wien Wein
- Neue Winzer
- Heinrich's gute Weine
- Esprit des Südens
- Piemont- Gipfel der Genüsse
- Auf dem Polzweg
- Die Rieslingsmacher
- Sommerweine 2010
- Als der Wein nach Österreich kam
- Weingut Schloss Fels
- Toscana mia!
- Gérard Depardieu
- Rotes Burgenland
- Duero - Douro
- Bordeaux 2006
- Paris - Eine Weinwelt
- Wein & Golf
- Noble Weine aus der Toskana
- Abenteuer Ernte
- Sommerwein 2008
- Bordeaux 2005 - Ein Jahrhundertjahrgang
- Spanien - Tempranillo
- den Stiefel genießen
- Weiß ist heiß
- Bella Toskana
- Carnuntum
- Bordeaux
- Adel verpflichtet
- Veltliner ist groovy
- Sommerliebe
- Steiermark
- Interview mit Mrs. Robinson
- Reisen zum Wein
- Bordeaux 2003
- Die Weine aus Nachbars Garten
- Die Insel der schwarzen Weine
- 150 Jahre Mythos Bordeaux
- Sommerweine 2005
- Andalusien
- Freie Weingärten Wachau
- Umbrien
- Cremaschi - Chilenische Spitzenklasse
- Cremaschi
- Wine & Crime in Sizilien
- Viva Espana
- Starker Tango
- Bordeaux 2001
- Die Zweigelt-Löwen
- Balsamico Story
- Von DUERO bis DOURO
- Die Raritäten-Sensation
- Portweine von Fonseca
- Die wilden Jungen...
- Italiens Önologen - Segen oder Fluch?
- Weinviertel - Hinfoahrn!
- Wo der Urlaub in der Luft liegt!
- Barcelona - wo die Trends wohnen!
- Rioja, der stolze Spanier
- Top-Weine aus dem Norden Italiens
- Bella Toskana
- Griechenland
- Wein & Speisen
- Weinwissen
- Ab-Hof
- Whisk(e)y
- Spirituosen
- Sekt & Champagner
- Wein-Tipps von Lynne Sherriff
Piemont - Gipfel des Genusses
Landschaft, Kultur, Wein und Kulinarik – das sind die Eckpunkte einer Reise ins Piemont. Vor allem das Herzstück, die Langhe, ist geprägt von sanfter Dramatik. In der (Wein-)Kulinarik steht archaische Tradition neben moderner Küchen- und Kellerkunst, schließlich findet man im Piemont eine Fülle an berühmten Weingütern und Gourmettempel neben urtümlichen Trattorias.
Von Walter Kutscher
In den Schmortöpfen der Küchen verbinden sich Reminiszenzen an die noble savoyische Vergangenheit mit bodenständig-deftigen Köstlichkeiten der Bauernküche – vielschichtig, finessenreich und stets spannend. Am Weinsektor sind es die drei B, die dem Reisenden hier auf Schritt und Tritt begegnen: Barbera (die Hauptrebsorte) sowie Barbaresco und Barolo (beide aus der Nebbiolotraube) heißen die Stars der Region Piemont, flankiert von einer bunten Vielfalt wie Dolcetto, einem unkomplizierten, doch eleganten, trockenen Rotwein für jeden Tag, über die Weißweine Gavi und Arneis bis zu Wermut und prickelnden Erlebnissen.
Die Weinbaufläche der Region Piemont ist mit 58.000 Hektar etwas größer als die in Österreich (52.000 ha), und auch die durchschnittliche Erntemenge übersteigt mit 280 Millionen Liter die heimische Produktion (250 Millionen Liter).
Kalte Winter, schwüle und oft recht windige Sommer
Klima- und wettermäßig unterliegt das Piemont starken Schwankungen. Der Einfluss des kontinentalen Klimas macht sich deutlich bemerkbar und hat lange, kalte Winter zur Folge. Nicht umsonst war die Hauptstadt Turin der Austragungsort für die olympischen Winterspiele 2006. Dafür sind die Sommer heiß; im Flachland schwül, windig in den hügeligen Bereichen, dort, wo der Wein wächst.
Trüffelsaison ab September
Wann ist also die beste Zeit, um das Piemont zu besuchen? Das Frühjahr ist sicher eine reizvolle Periode, doch Vorsicht! Außerhalb der Langhe herrscht bis zur Karwoche noch oft gastronomischer Winterschlaf. Im Sommer muss man dann schon mit hitzigen Temperaturen rechnen, und die Landschaft verfärbt sich vom jugendlichen Grün in trockene, bräunliche Töne. Der Herbst wäre natürlich temperaturmäßig ideal. Auch beginnt zu dieser Jahreszeit die Trüffelsaison, doch mit Weingutsbesuchen bereiten Sie keinem Winzer eine Freude, denn die Weinwirtschaft steht im Dauerlese- und Vinifikationsstress. Echte Wein- und Trüffelliebhaber planen ihren Piemonttrip Anfang November, dann wenn der Wein schon in den Fässern die erste Ausbauphase erfährt. Sollte das Wetter mitspielen, kann man zu Mittag noch die letzten Sonnenstrahlen im Freien bei einem Glas Barbera und einer deftigen Jause genießen. Wenn in den Bergen der erste Schnee fällt dringt aber die Kälte auch bis in die Weinbaugebiete vor.
Städte wie Asti oder Alba laden mit zahlreichen Restaurants und Weinbars zum Verweilen ein.
Ein prächtiger Landstrich für Entdecker und Individualisten
Egal zu welcher Zeit, die Qual der Wahl beginnt zunächst bei der Quartiersuche. Wer das urbane Umfeld bevorzugt, sollte Alba als Ausgangspunkt wählen, denn Alba ist die kleine Hauptstadt der Langhe und die Heimat der Trüffel mit einer Fülle an unterschiedlichsten Unterkünften (www.maps.google.at, "Alba Hotels" eingeben). Im Herbst ist der Andrang naturgemäß groß und eine rechtzeitige Reservierung unbedingt ratsam. Wer sich in der weiten piemontesischen Landschaft wohler fühlt, dem seien einige Agriturismi empfohlen: die preisgünstige Casa Nicolini (www.casanicolini.com) außerhalb von Barbaresco, wo der Weg zur Dorftrattoria "Antica Torre" nicht allzu weit ist, oder die Luxusherberge "Locanda del Pilone" (www.locandadelpilone.com), südöstlich von Alba in Madonna di Como, für betuchte Gäste. Hier lässt es sich auch auf Sterne-Niveau speisen.
Kulinarischer Wegweiser
Ein Gesamtangebot bietet auch der Ort Rocchetta Tanaro bei Asti. Der österreichische Weltenbummler Bernhard Bauer bietet dort Apartments, eigenen Wein und Reiseprogramme an (www.pinbologna.it). Doch damit nicht genug! In Rocchetta Tanaro befindet sich auch eines der empfehlenswertesten Restaurants des Gebietes, die Trattoria "I Bologna" (www.trattoriaibologna.it), die auch einige nette Zimmer zum Übernachten anbieten kann. Wie der Name vermuten lässt, verbirgt sich dahinter die Familie des (viel zu früh verstorbenen) Barbera-Pioniers Giacomo Bologna, der es geschafft hat, in seinem Weingut mit dem Namen "Braida", den einstigen "Bauernwein" zum Kultobjekt aufzuwerten. Sein Top-Wein, der "Bricco dell’Uccelone", ist seit Jahrzehnten das Maß aller Barbera-Dinge! Heute führen Giacomos Sohn Beppe und Tochter Raffaela den ansehnlichen Betrieb. Raffaela ist übrigens mit dem Österreicher Norbert Reinisch verheiratet, ein Arzt, den die Liebe zum Braida-Exportdirektor "mutieren" ließ.
In Neive, nordöstlich von Alba, lädt das Restaurant "La Contea" (www.la-contea.it) ein. In den historischen Räumlichkeiten des Palazzo aus dem 15. Jahrhundert kann man Romantik und Retro erleben. Gleich gegenüber, im Nest der "Kohlmeise" – so die Übersetzung der Enoteca "La Cinciallegra" –, lässt es sich herrlich schwelgen. Weine und eine Fülle an Alimentari können den Pawlowschen Effekt nicht mehr unterdrücken.
Seine Majestät der Barolo
Bei all den kulinarischen Schwelgereien dürfen wir es nicht versäumen, dem König des Piemont, dem Barolo, zu huldigen. Seit 1981 trägt er – so wie sein eleganter Bruder, der Barbaresco – die höchste Qualitätsauszeichnung: DOCG – "Denominazione di Origine Controllata e Garantita" ist die kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung, die nur den besten italienischen Weinen zugute kommt. Namensgeber für diesen Ausnahmewein ist die Gemeinde Barolo, wo auch ein imposantes Schloss von weitem zum Besuch einlädt. Der Betrieb "Marchesi di Barolo" ist einer der wenigen, der auch Weine von der Toplage "Cannubi" sein Eigen nennen darf. Ein anderer Spitzen-Barolo kommt von der ebenso berühmten Lage Bussia und führt uns etwas nördlicher in den Keller des Weingutes Prunotto.
Weiße Spezialitäten – prickelndes Piemont
Wer es lieber weiß mag, der wird sich im Piemont einen Gavi bestellen. Diese autochthone Spezialität aus der gleichnamigen Gemeinde stammt von der dort heimischen Cortese-Traube. Und wenn sich nach all dem vielen Degustieren, begleitet von umfangreichen kulinarischen, oft deftigen Genüssen, eine gewisse Konditionsschwäche bemerkbar macht, dann hilft nur eines: ein Glas Moscato! Man muss ihn einfach mögen, den aromatischen Gaumenkitzler Moscato d’Asti, der sich stets mit einer betörenden Bandbreite an Aromavielfalt präsentiert. Diese reicht vom klassischen Muskat-Parfüm über Holunder- und Orangenblüten bis zu reifen, gelben Birnen. Der Moscato d’Asti vermittelt uns oft noch ein ländliches, archaisches Erlebnis. Bei der Produktion wird dabei meist die sogenannte "Asti-Methode" angewendet, die auch "Méthode rurale" genannt wird. Dabei erfolgt die Kohlensäurebildung durch die erste Gärung im Drucktank, und die spürbare Restsüße (meist über 90 g/l) sowie der konsumentenfreundliche Alkoholgehalt (4,5 bis 7%) wird durch Unterbrechung der Gärung mit anschließender Filtration erreicht. Die cremige und doch pikante Art in Verbindung mit animierender Fruchtsäure schafft es stets, Stimmung und Stimulanz zu aktivieren. Moscato d’Asti und Asti Spumante sind nicht nur ideale Begleiter zum Dessert, sondern auch geeignet zum Muntermachen zwischendurch. Fanatiker behaupten sogar, dass sie zum "Nüchterntrinken" geeignet seien.
Piemont, das heißt am Fuße der Berge: Diese Weinbauregion ist eine der wichtigsten in der gesamten Weinwelt. Und eine genussreiche Weinreise dorthin kann man auch bequem von zu Hause, vom PC aus, gestalten: www.weinwelt.at !











