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Buschenschank und Heuriger
Wenn’s um das Wetter geht, vertrauen recht viele Menschen auf den Bauernkalender. Fürs Haareschneiden und Blumendüngen wird der Mondkalender konsultiert. Die Bibel für Feinschmecker und Weinbeißer, für das Philosophieren mit Weinglas und Essbesteck, der Leitfaden durch genussvolle Stunden – ja der heißt Heurigenkalender. Fünf Leitsterne am vinokulinarischen Himmel haben wir für Sie ausgesucht.
Von Reinhold Forobosko*
Das Team des Weingut Bründlmayers erwartet Sie!
Bründlmayer: alles on top!
Zu Recht darf man von einem der besten Weinhauer Österreichs auch im gastronomischen Bereich Außergewöhnliches erwarten. Wir wissen es ja eh: Hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein … Mann. Oder gleich drei davon: an erster Stelle der Ermöglicher und Financier – Willi Bründlmayer, das Aushängeschild heimischer Weinkultur. Des weiteren der Herrscher über Töpfe und Pfannen. Mit Markus Becker hat der Heurigenhof Bründlmayer einen Koch der Spitzenklasse engagiert. Er rührte und schnippelte im "Korso", im "Hangar 7", gemeinsam mit dem deutschen TV-Koch-Star Stefan Marquard, im "Kloster Und" und zuletzt im "Loibnerhof". Der zweite Teil des M&M-Teams heißt Martin Schierhuber. Er war u. a. Chef-Sommelier bei Johann Lafer. Was uns das Trio ans Herz und in den Gaumen legt, schmeckt lautstark nach Hauben, Sternen und Kronen: Die 2008er Grüner Veltliner Reserve begleitet eine kalte Vichyssoise mit Erbsen-Mousse und Saiblingskaviar, zum gebratenen Donauwaller auf Wurzelgemüse, Berglinsen und Semmelkrenschaum wird der 2008er Chardonnay serviert, den Kamptaler Kalbsrücken mit Petersilien-Gnocchi und Morchelrahmsauce ergänzt der 2003er Pinot Noir, zu frischem und gereiftem Rohmilchkäse mit Weintrauben und Feigensauce der 2007er Zweigelt. Hut ab, Messer und Gabel her, auf zum Hochamt für den Gaumen!
Im "Herztröpferl" steht frischer Zander aus dem Neusiedlersee auf der Karte.
Herzblut fürs Herztröpferl
30 Jahre jung ist dieser gastronomische Leit betrieb des Burgenlandes. Suchen muss man nach dem Gutsgasthof der famosen Familie Mad nicht lange. Dort, wo in Oggau die meis ten Fahrräder und Autos stehen, dort isst und trinkt man großartig. Mittlerweile auch amtlich beglaubigt, denn im Vorjahr wurde das "Herztröpferl" zum burgenländischen Genusswirt des Jahres gekürt. Legendären Status genießt z. B. das "Beste Backhendl Europas" wie es bescheiden in der Speisenkarte steht. Das ist aber auch wirklich großartig mit der krachenden Panier über dem zarten, saftigen Fleisch!
Gut gekühlt fließt mittlerweile der pinke "Bliss" in die Gläser, gefolgt vom Chardonnay classic zu sommerlich leichter Kost: Zander aus dem Neusiedler See, hausgemachte Zucchininudeln mit Eierschwammerln. Der Strauß aus der Nachbarschaft landet als ordentliches Steak auf dem Teller – da gehört schon ein Cabernet Merlot in die Karaffe. Noch ein Restplatz im Magen? Die Magdalenaschnitte (Biskuit, Schlagobers und Schokosauce), Nougatnockerln, Palatschinken oder der Apfelstrudel mit hausgemachter Hülle? Am besten von jedem Dessert eine kleine Kostprobe und dann zwei Runden um den See – zu Fuß oder auf dem Rad.
Spezialität beim Artner: Ziegenkäse im Speckmantel
Genusskosmos Artner
Höflein ist ein beschaulicher Ort, ein angenehmer Kontrapunkt zu Stress und urbaner Hektik. Eine vollkommen andere Welt betritt auch, wer in der Dorfstraße 43 beim Artner einkehrt. Der trägt ja die Kunst quasi schon im Namen, und darum sind auch die Bilder an den weißgekalkten Wänden im Heurigen von namhaften Künstlern, man pflegt die historische Schank und legt größten Wert auf Authentizität. Und – auch wenn es ziemlich abgegriffen klingt – auf höchste Qualität beim Essen und Trinken. Wir nehmen einmal zur Vorspeise den gebratenen Ziegenkäse im Wacholderspeckmantel (beides natürlich Bio-Qualität) mit sommerlichem Salat und Kernöl. Das Glas dazu: ein feinwürzig kräftiger Sauvignon Blanc Reserve aus der Lage Bühlweingarten. Jaja, wir bleiben bei den Reserven, nicken wir der hübschen Kellnerin zu. Geräucherter Bachsaibling aus der Aurach mit Vorarlberger Sennereibutter und Oberskren zur Veltliner-Reserve aus der Ried Steinäcker. Alles so gut, dass wir noch einen Gang einlegen: Die "Saulami" zum Rubin Carnuntum stammt von Martin Weinek, Winzer, Feinkostler und Schauspieler. Richtig – das ist der hungrige Mensch, der Kommissar Rex immer die Wurstsemmeln streitig macht.
Lisi, Karl und Florian Alphart
Die Lisi, der Karl und der Florian – alles Alphart!
Wer nicht weiß, wo genau sich das Genuss-imperium der Alpharts befindet, der braucht nur dem ansteckendsten Lachen der gesamten Thermenregion zu folgen. Die Lisi hat es sich ganz offenbar zum Prinzip gemacht, das Leben von der heiteren Seite anzugehen. Und von der kulinarischen! Mit Rezepten geizt sie üblicherweise – nur die Leser der weinwelt.at dürfen an ihrem Fundus an großartigen und schmackhaften Ideen teilhaben. Wer derartig verwöhnt wird, muß ganz einfach glücklich sein. Und glückliche Menschen – ganz besonders die Herren Karl und Florian Alphart – legen glückliche Weine. Glückliche, große Weine um genau zu sein: glockenklar, präzise in der Frucht, füllig und voll Terroir. Und was fällt der Lisi dazu ein: Gemüsestrudel zum Rotgipfler vom Berg, Steinpilze gebacken mit Kräutersauce zu Rotgipfler Rodauner, klassisches Hendlhaxerl gebacken mit Erdäpfel-Gurkensalat zum Neuburger, geschmorte (österreichische!) Lammstelze mit Gemüse zu den Roten, Eierschwammerl in Rahm zum Chardonnay. Wir schweigen – der Mund ist voll – genießen, betrachten Oleander und gut gestimmte Gäste … so schmeckt das Leben!
Herrlicher Ausblick vom Weingut Skoff über die südsteirische Landschaft.
Feines Speisen am Eckberg – Mr. Sauvignon Walter Skoff tischt auf!
Wer will denn da schon widersprechen: Die Steiermark gehört zu den schönsten Weinbau gebieten der Welt und der Eckberg ist ein besonderes Schmuckstück im Reich der grünen Hügel. Walter und Joachim Skoff teilen gerade Picknickkörbe aus. Die fröhliche Wanderung durch die Rieden weckt den Appetit auf Wein und mehr. Im Licht der weichen Abendsonne wird ausgepackt: Blunz’n, hausgemachte Rindfleischsulz, Spargelsalat, die Polenta mit Knoblauchsauce – letztere ein Klassiker nach dem Rezept der Oma. Begleitet wird quer durch den Gemüse- pardon Weingarten: Welsch, Muskateller, Weißburgunder, Morillon, Sauvignon Blanc aus der Classique-Serie. Zum Hirschschinken, der geräucherten Entenbrust und dem steirischen Bergkäse ist kräftigerer Skoff-Stoff angesagt: die fülligen, extraktreichen Lagenweine vom Hochsulz und Obegg. Zum Dessert sitzen wir dann alle in der Buschenschank zusammen. Es treten auf: flaumiges, dunkles Schokoladenmousse, Apfel-Ingwer-Kompott und eine Trockenbeerenauslese vom Sauvignon Blanc. Der letzte Gedanke, ehe der glückliche Mensch im weichen Bett versinkt (alle Zimmer wurden erst im Frühjahr total umgebaut): "Wie gut, dass es den Skoff gibt!"











