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Journal Stories

Happy End für den Prosecco

Es gibt nur wenige Weine, die so niedergeschrieben wurden wie der Prosecco. Genutzt hat es wenig. Der Wein prickelt munter weiter. Allerdings darf sich seit 2009 nur noch der echte Prosecco "Prosecco" nennen. Gut für die Konsumenten!

Von Jens Priewe*

In der Gegend, aus der der Prosecco kommt, gibt es eine Osteria, die man unbedingt besuchen sollte. Sie heißt Al Castelletto und liegt an der viel befahrenen Provinzstraße Nr. 4 bei Pieve di Soligo. Die Tische stehen eng, das Gestühl ist hart, die Chefin meist mürrisch. Dennoch ist das Lokal jeden Abend voll. Und das hat seinen Grund: Nirgendwo in Norditalien isst man ein besseres Kürbisrisotto, leckerere Radicchio-Cannelloni, herzhaftere Spaghetti mit Entenragout und knusprigere Leber vom Spieß als dort. Die Chefin heißt Clementina Viezzer. Sie war die Gouvernante der letzten Contessa Brandolini. Deren Familie gehörte zu den reichsten Großgrundbesitzern im Veneto. Aber wenn es um Essen und Trinken ging, verließ die Contessa sich ganz auf ihre "Clemi". Noch heute ist die alte Dame die oberste kulinarische Autorität der Gegend. Sie weiß genau, wie ein Gericht zu schmecken hat, und natürlich hat sie auch zum Prosecco eine klare Meinung: "Er schmeckt herrlich, aber ein edler Wein ist er nicht."

Urtümliches Italien

Kürzer und treffender kann man einen Prosecco nicht charakterisieren. Ein einfacher, aber köstlicher Wein, der von der Ausdruckskraft der Sorte lebt, aus der er gekeltert wird: der Prosecco-Traube. Sie stammt aus dem Veneto. Konkret: aus der Hügelzone um Treviso. Dort entwickelt sie jedenfalls ihre besten Qualitäten. Die Kernzone liegt um die beiden Städte Valdobbiadene und Congeliano (von dort kommt beispielsweise der Prosecco von Foss Marai). Eine Gegend jenseits der großen Touristenströme, interessant für Menschen, die das authentische, unverfälschte Italien lieben. Steile, terrassierte Hänge, auf denen die Reben in kleinen, oft nur handtuchgroßen Parzellen wachsen. Gewun ­ dene Sträßchen, die sich den Hang hochschrauben. Kleine Dörfer mit spitzen Kirchtürmen und bäuerlichen Trattorien, in denen die Pasta hausgemacht und die Risotti frisch angerührt werden. Im Hintergrund schneebedeckte Alpengipfel, am Fuße der Hügel prächtige Villen im Palladio-Stil, etwa die Villa Sandi in Crocetta del Montello. Sie gehört übrigens den Besitzern der Kellerei La Gioiosa. Und in Valdobbiadene selbst befindet sich die Locanda Sandi, in der man nicht nur ein saftiges Ossobuco verspeisen, sondern hinterher auch preiswert und gleichzeitig stilvoll übernachten kann. Apropos Ossobuco: Zu ihm wird natürlich kein Prosecco, sondern Rotwein getrunken, wobei in der Provinz Treviso viel Merlot und Cabernet sowie urtümlicher Rotwein namens Raboso erzeugt wird. Ihn sollten die Besucher unbedingt kosten. Zum Dessert gibt es dann wieder Prosecco, und zwar vom besten Cru der Zone. Er heißt Cartizze und wird meist Extra Dry ausgebaut – also mit Restsüße. Zu einer Apfeltarte oder einer Haselschnitte gibt es keinen besseren Begleiter.

 
Porta Leone Prosecco Spumante DOC

Porta Leone Prosecco Spumante DOC

Le Contesse Srl, 0,75 l
extra dry

Italien, Venetien, Prosecco DOC
Best.Nr. 6905279
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EUR 9,99
 
 
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Spumante und Frizzante

Typisch für den Prosecco aus dieser Zone sind die zarten Apfel- und Birnenaromen. Typisch ist auch die feine Säure, die für Frische sorgt. Typisch ist der niedrige Alkoholgehalt, der den Wein leicht und süffig macht. Und typisch ist natürlich das Prickeln. Aber dafür ist der Kellermeister verantwortlich. Er lässt den Prosecco-Wein ein zweites Mal gären, diesmal in einem geschlossenen Stahltank, in dem die Kohlensäure gefangen ist. Sie bleibt dann im Wein gelöst. Erst wenn später die Flasche geöffnet wird, entweicht sie. Charmat-Verfahren heißt diese Form der Versektung im Unterschied zur Flaschengärung, wie sie beim Champagner praktiziert wird. Dabei gibt es zwei Typen von Prosecco: Der Spumante schäumt (Kohlensäuredruck: über 3 bar), der Frizzante perlt (unter 2,5 bar). Beide Varianten sind bei den Konsumenten gleich gut gelitten. Der eine lässt es lieber mehr, der andere weniger prickeln.

Bellini und Sprizz

Der Aufstieg des Prosecco begann in Venedig. Dort erkoren die Einheimischen ihn schon vor mehr als 70 Jahren zu ihrem Hauswein. Noch heute wird er praktisch in jeder Osteria der Lagunenstadt ausgeschenkt. Auch in den eigenen vier Wänden trinken die Venezianer ihn wie Mineralwasser – natürlich nicht den Marken-Prosecco, sondern den billigen, bäuerlichen Prosecco, den fast jeder Winzer, der ein paar Reben sein Eigen nennt, für den Hausgebrauch und für seine besten Freunde erzeugt. Er wird in Flaschen ohne Etikett gefüllt, und der Korken wird mit einem groben Bindfaden am Flaschenhals gesichert, damit er nicht ungewollt herausschießt, wenn die Flasche mal etwas hart auf den Tisch gestellt wird. In Venedig wurde auch der berühmte Bellini erfunden. Der Wirt Giuseppe Cipriani, der 1931 Harry’s Bar gleich hinter dem Markusplatz eröffnet hatte, goss für seine Gäste im Sommer frischen Pfirsichsaft mit ein wenig eisgekühltem Prosecco auf. Der Mix wurde ein Welterfolg. Ein anderer Prosecco-Cocktail ist der Sprizz. Wer ihn erfunden hat, weiß niemand genau. Sicher ist nur, dass die Sprizz-Welle in den letzten Jahren von Norditalien über die Alpen nach Mitteleuropa geschwappt ist und selbst in abgelegenen Marktflecken und auf einsamen Almhütten für einen Hauch von Dolce Vita sorgt. Sprizz ist denkbar einfach herzustellen: Man gießt den kupferfarbenen Rhabarberlikör Aperol mit drei Teilen Prosecco auf und verziert das Glas mit   einer Orangenzeste – an einem heißen Sommertag gibt es nichts Besseres.

 
Lieto Prosecco Frizzante DOC Treviso

Lieto Prosecco Frizzante DOC Treviso

Le Contesse Srl, 0,75 l
trocken

Italien, Venetien, Prosecco DOC
Best.Nr. 6097752
 
EUR 5,49
 
 

Prosecco oder Glera

Die Prosecco-Rebe wird vor allem in Norditalien angebaut. Den ausdrucksvollsten Wein ergibt sie in den Hügelzonen, die den Alpen vorgelagert sind. Also von Vicenza bis nach Triest. Der Wein von dort darf sich Prosecco DOC nennen (DOC ist die kontrollierte Herkunftsbezeichnung in Italien). Kommt er aus der historischen Zone, steht auf dem Etikett Prosecco Superiore DOCG (garantierte und kontrollierte Herkunfts ­ bezeichnung) mit dem Zusatz Conegliano und/oder Valdobbiadene. So weiß der Konsument genau, dass er einen echten Prosecco vor sich hat. Weine, die aus anderen Gegenden kommen und nur teilweise aus Prosecco-Trauben erzeugt sind, dürfen sich seit 1. August 2009 nicht mehr Prosecco, sondern müssen sich Glera Frizzante oder Glera Spumante nennen.

* Dr. Jens Priewe, Wirtschafts- und Weinjournalist