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Der Weg zu den Quellen des Malts
Das Herz der Whisky-Produktion liegt in Speyside – machen wir uns gemeinsam auf diesen äußert lustvollen Weg.
Von Vene Maier
Der Malt Whisky Trail ist ein Rundkurs im Herzen von Schottland. Teilnehmer sind alljährlich tausende von Whisky-Fans, die sich zu den Quellen ihres Leib- und Lebensdrinks begeben wollen. Das ist sehr verständlich, schließlich will der Weintrinker ja auch mal den Médoc-Marathon laufen und sich an den magischen Orten (Lafite, Latour, Mouton etc.) laben. Exakt das will auch der Malt-Whisky-Freak. Halt in seinem Metier. Und dessen Quellen liegen naturgemäß in der Whiskyregion Speyside, wo sich Wasser, Gerste, Torf und Feuer zu einem kultischen Getränk verdichten.
Wer sich eng an die klassische (und touristisch besonders beworbene) Route hält, besucht acht Destillerien und eine Küferei, die an einer leicht zu befahrenden Strecke mehr oder weniger entlang des River Spey liegen. Allemal lohnend, weil die Route vor dem herrlichen Hintergrund von Birken und Nadelwäldern, Bergen und Moor an dem rasch fließenden Flüsschen entlang verläuft. Wer aber lieber individuell auf Erkundung aus ist (und welcher Single-Malt-Fan ist kein Individualist?), sucht einen schönen Lagerplatz, von dem aus er in die Tiefen und Weiten des mystischen Whiskylandes vorstößt.
Jetzt aber ist der Whisky Trail etwas anderes als der Médoc-Marathon, weil zirka fünfmal länger als das Laufevent. Einerseits. Andererseits wiederum ist er bei weitem nicht so lang wie die Mille Miglia. Aber interessant: Obwohl mit reichlich Alkohol verbunden, ist der Malt Whisky Trail eine Erfindung der britischen Automobil Association. Das war damals, als die Regeln des Straßenverkehrs noch eher liberal gehandhabt wurden. Immerhin: Wer den klassischen Rundkurs absolviert, legt gut und gern 250 Kilometer zurück. Nicht gar so arg, könnte man sagen, was die reine Fahrtzeit betrifft. Allerdings haben Sie mit einem guten halben Dutzend Tankstopps zu rechnen, und so gesehen wird’s schon nach wenigen Kilometern unrund.
G’scheit natürlich, wer sich für den Whisky Trail in ein Taxi setzt und sich von Destillerie zu Destillerie chauffieren lässt. Individuell muss man dafür halt so seine Pfunde locker machen, in der Gruppe wird das jedoch spürbar preiswerter. Aber selbst die Produzenten sind da nicht immer so über die Maßen glücklich, wenn heitere Whisky-Touristen in die Destillerie einfallen. So zumindest haben die Betreiber von Tamdhu ihren Ausstieg aus dem touristischen Trail begründet, weil es – berichtet jedenfalls Walter Schobert – "immer wieder vorkam, dass betrunkene Besucher das Personal belästigten".
Wir sind da nicht so. Als Reisende in Sachen Malt Whisky schätzen wir die Natur ebenso wie die Ruhe und das gute Essen. Nachhaltig, umweltschonend und stilvoll sei unser Whisky Trail. Wir können uns zum Beispiel den vorbildlich noblen Herren des Whisky Club of Austria anschließen und im Craigellachie-Hotel Quartier nehmen. Craigellachie ist ein nettes kleines Dorf und liegt genau dort, wo der Fiddich in den Spey-River mündet. Also im Herzen von Speyside. Sehr schottisch, sehr typisch. Ein smoked salmon, ein Steak vom Hochlandrind und einige Drinks in der ledermöblierten Bar, und schon fühlen wir uns very welcome.
Zu viert oder zu acht – je nachdem, ob die Damen sich auch auf den Sattel schwingen – radeln wir dann (anderntags) über kleine Nebenstraßen und Wanderwege zuerst nach Norden und besuchen Strathisla, die älteste noch in Betrieb befindliche Destillerie der Speyside. Der Rückweg ist mit Rückenwind noch mal ein Stück schöner und lässt uns noch die Gelegenheit, in Speyburn (weil die im Rennen um den Titel "Schönste Brennerei Schottlands" immer gut liegt) und Glenrothes einige gereifte Malts zu probieren. (Wenn Sie jetzt meinen, diese Destillerien haben keine Besucherzentren, dann haben Sie einerseits recht, andererseits stört uns das nicht. Weil, wenn ein Händler und ein Journalist anfragen, öffnen sich manche geheimen Tore. Ja, das ist nicht wahnsinnig gerecht, aber Job ist Job und Whisky ist Whisky. Sagt man jedenfalls).
Mit unseren jetzt schon gestärkten Radlerwadeln machen wir uns – wiederum anderntags – auf die Socken und inspizieren Dufftown. Dufftown – das klingt so wie St. Estéphe oder wie Cognac. Jedenfalls geht Dufftown ohne weiteres als Hauptstadt des Malt Whisky durch. Rund um die kleine, eher unspektakuläre Ortschaft liegen gleich acht sehr bemerkenswerte Whisky-Brennereien, darunter mit Balvenie und Glenfiddich zwei besonders attraktive. Aber Achtung: Glenfiddich ist voll in deutscher Hand! Da heißt es aufpassen und die eigene Nationalität behaupten. Ist aber – vor allem, wenn ein paar echte Wiener dabei sind – durchaus möglich. Und ganz einfach, wenn Sie an einem der anderen Tage auch noch die Glen-Grant-Distillerie besuchen, denn für einen Italiener wird man Sie ja kaum halten, oder?
Ganz generell sollte man auf den Rat des erfahrenen Whisky-Reisenden Mario hören und niemals – niemals! – zur Speyside-Whisky-Festival-Zeit in die Highlands fahren, ohne schon lange im Voraus eine Unterkunft gebucht zu haben. Weil einfach so auf gut Glück und spontane Laune geht da gar nix. Pech auch, wenn irgendwo in der Gegend ein Pferderennen stattfindet: Auch dann ist nämlich rundherum alles "occupied". Auch Bed & Breakfast geht dann nicht, sorry.
Wir aber haben den Zeitpunkt für den Malt Whisky Trail gut gewählt und logieren komfortabel unter spitzen Türmchen. Ob nun Glenfiddich oder Glen Grant, ob Aberlour, Balvenie, Cardhu, Glenlivet, Glenfarclas, Glenrothes, Macallan oder Strathisla – von Craigallachie aus brauchen Sie nur ein paarmal umfallen, dann kommen Sie direkt vor diesen herrlichen Orten zu liegen. Überall stecken wir unsere Nasen hinein, nehmen hier einen Schöpfer Duft (hier passt ein Zitat der Frau Mittelhammer, die auch schon dort war: "Wenn man den Kopf über den Bottich hält, könnte man allein vom Geruch schon betrunken werden. Hhhhhmmmm, riecht das gut; schwer, süß und auch irgendwie dunkel, was zwar keine Geschmacksrichtung ist, aber dennoch ganz gut passt. An diesen Geruch könnte man sich fast gewöhnen.") und dort ein Drum vom 23-Jährigen, lassen uns die Lagerhäuser zeigen und stehen andächtig vor uralten, sehr wertvollen Fässern, die früher oder später abgefüllt auf Raritätenauktionen wieder auftauchen.
Wenn Sie, liebe Weinweltleser und -leserinnen, nach einem längeren Aufenthalt im Craigallachie-Hotel noch genug Bares haben, können Sie bei einer dieser Auktionen mitbieten. Wenn nicht, bleiben Ihnen immer noch die äußerst hart aber fair kalkulierten Single Malts aus der INTERSPAR-Kollektion. Eine Empfehlung allemal,
… meint jedenfalls Ihr Vene Maier
Der klassische Trail …
… führt Sie zur Benromach Distillery in Forres, der kleinsten noch in Betrieb befindlichen Destillerie in der Region Speyside; weiter nach Dallas Dhu, einer sorgsam wie in einer Zeitkapsel erhaltenen Destillerie aus viktorianischer Zeit, ebenfalls bei Forres; zur Cardhu Distillery in Knockando, der einzigen Destillerie für Malt Whisky, die von einer Frau gegründet wurde; zur Glenfiddich Distillery in Dufftown, die noch im Besitz der Gründerfamilie ist; zur Glen Grant Distillery mit ihrem Park in Rothes; zur Glenlivet Distillery in wilder Moor- und Heideumgebung; zur 1807 gegründeten Glen Moray Distillery in Elgin; zur Strathisla Distillery in Keith, der ältesten noch arbeitenden Destillerie im Hochland; und zur Speyside Cooperage in Craigellachie, der Küferei, wo Sie das uralte Handwerk des Küfers (Fassmacher) beobachten können.











