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Toscana mia! Einmal im Jahr muss es die Toskana sein.
Es gibt Reisen in die Welt des Weins, die unternimmt man nur einmal. Und dann gibt es die anderen. Solche, die jährlich mindestens einmal anfallen. Ciao, bella Toscana – wir sind schon wieder da!
Von Reinhold Forobosko
"Cinta senese", schmunzelt die Kellnerin in der Osteria des Antinori-Weingutes Badia a Passignano. Und legt die köstlichsten Schweinereien der Welt auf die Teller: Prosciutto, Lardo, Salami mit Fenchel. Der Safran wächst gleich hinterm Haus und natürlich grasen auch die weißen Rinder in Sichtweite – die famose Rasse Chianina liefert das Fleisch für das beef tatare, die gefüllten Röllchen und die berühmte bisteccha fiorentina. Letztere reicht locker für drei hungrige Holzhacker und braucht unbedingt flüssige Beigaben in Rot. Davon hat die Enoteca – gleich neben der Osteria – mehr als genug. Denn seit 26 Generationen "sammeln" die Marchesi Antinori wertvolle Weingüter und keltern dort große Weine mit einem weltrekordverdächtigen Preis-Leistungs-Verhältnis. Wenn wir auf einen Tisch in unserer Osteria klettern, könnten wir direkt mit den Reben der 62 Hektar Weingärten des Antinori-Gutes Pèppoli sprechen. Der 2006er-DOCG zeigt sich tiefwürzig, cassis- und efeuduftig, mit reifem Gerbstoff und von kräftiger, fülliger Struktur. Der nimmt es auch locker mit dem Pecorino auf, den wir zum Abschluss nehmen.
Leichtes für den Weingusto
Um sofort nach dem Wegputzen zu beschließen: Der Bauchspeck muss weg. So unterbrechen wir also unsere Reise nach Siena, durchwandern Olivenhaine, strahlende Felder mit Sonnenblumen, gepflegte Weingärten und Naturschutzgebiete. Das aber macht wiederum hungrig – wir sitzen schon wieder beim Essen! Diesmal in der Osteria der Grafen Mazzei, gleich am Eingang zum Dorf Fonterutoli, welches auch außergewöhnlich schöne Ferienwohnungen beherbergt (Infos über die Osteria, Übernachtungsmöglichkeiten und Besuche unter: www.mazzei.it). Was denn typische Gerichte wären, wollen wir wissen. Alles – lautet die Antwort des Wirtes. Die Auswahl fällt dementsprechend schwer – wir wählen Leichtes: Papa al Pomodoro, einen köstlichen Brotbrei mit Paradeisern, Acquacotta – eine Art dicke Gemüsesuppe – danach noch rohes Gemüse, das in spicy Olivenöl getunkt wird. Und auch etwas Leichtes für den Weingusto: den feinduftigen Chianti Classico 1435. Der neue Weinkeller aus zarter (und familieneigener) Hand muss unbedingt besichtigt werden – ein Wunderding, aus ökologischen Materialien gebaut, mit der umweltfreundlichsten Technik auf dem Markt.
Romantische Hügel, Zypressen und Weinberge
Dann ein Zeitsprung in die Wiege des Chiantis, ins Castello di Brolio. Schlossherr Francesco Ricasoli führt persönlich durch die historischen Räume dieser imposanten Festung, deren Grundmauern aus dem Jahre 1141 stammen (Infos über Führungen und Unterkunft auf www.ricasoli.it). Inzwischen wird auf der Terrasse aufgetischt: gefüllte Hühnerbrust, Tortellini mit Ricotta und Basilikumcreme, Kalbsbackerl und ein Halbgefrorenes mit Trockenfrüchten und Mandeln. Inklusive Wein um wohlfeile 50 Euro. Den Weg in den Weinshop "SPARen" wir uns, den erledigt die weinwelt.at. Was darf’s denn sein: etwa der preiswürdige "Ricasoli 1141"? (Ist nun klar, warum der so heißt?)
Auf dem Weg in den Süden wechselt das Landschaftsbild etwas, die Hügel werden flacher, weizenblonde Getreidefelder dehnen sich aus ... und Weingärten. Auch die Rebstöcke in Montepulciano tragen die Hauptsorte Sangiovese; nur nennt man sie hier Prugnolo Gentile. In den berühmten Vino nobile, der seit mehr als 700 Jahren in erster Linie von vornehmen (eben nobile) Familien erzeugt wird, dürfen aber auch bis zu 20% an komplementären Sorten. Der unangefochtene Star im Vino-Nobile-Reich heißt Dottore Federico Carletti, sein Weingut Poliziano hat er in knapp 40 Jahren kontinuierlich an die Spitze geführt (www.carlettipoliziano.com). Die bislang letzte Investition ist ein funktioneller Degustationsraum, direkt über dem Barriquekeller. Bruschetta, Salami, Hartkäse, ein Teller mit Pasta – alles umspielt von den Düften aus dem Keller und dem Weinglas. Die wunderbare Stimmung lässt sich ganz einfach zuhause nachbauen: Dazu bestellt man – wieder ganz einfach – bei der weinwelt.at den Rosso des Hauses, den Vino nobile, die Flaggschiffe "Le Stanze" und "Asinone".
Die Strecke von Montepulciano nach Montalcino ist schnell zurückgelegt. Nur in den Keller der Cantina di Montalcino will man uns nicht reinlassen. Aber das Zauberwort weinwelt.at öffnet dann doch die schweren Tore. Mein lieber Freund, da geht’s um unter dem uralten Gewölbe! Trotz des Baustresses führt uns der Kellermeister wortreich herum. Er erzählt von den Kämpfen um die Baubewilligung, den Spionagereisen zu den modernsten Kellern dieser Erde ... und vom Endziel der Investitionen: den besten Rosso di Montalcino, den besten Brunello zum allerbesten Preis.
Das gleiche Ziel hat auch Fortediga, eine der letzten Neugründungen in der Maremma. Wir sind im vinologischen Eldorado der Toskana gelandet, in der Maremma. Dieser Küstenstreifen zwischen Livorno und Grosseto hat sich ja zum Aufmarschgebiet des Großkapitals entwickelt. Im Norden, also dem Gebiet Bolgheri, ist gutes Rebland kaum noch zu bezahlen, im Süden gibt es noch ideale Böden für Cabernet, Syrah und Merlot. Das haben auch die ehrgeizigen Macher von Fortediga erkannt: Drei Sorten und drei Weine – Konzentration in jeder Hinsicht.
Den Schlusspunkt unserer Rundreise setzt ein Klassiker, eine Kellerei mit einem ganz großen Namen: Cantina Leonardo da Vinci. Mehrere Besitzungen gehören zu diesem erfolgreichen Weinunternehmen, aber am wohlsten fühlen wir uns in Vinci, am Geburtsort eines der bekanntesten Künstler aller Zeiten. Die historischen Gebäude sind – genauso wie der Keller – perfekt in Schuss. Mitten in der stimmungsvollen Anlage stoßen wir dann auf das DalleVigna Wine Loft. Immer gut für den kulinarischen Höhepunkt einer Toskana-Reise. Klassische Rezepte, modern und leicht interpretiert: eine Suppe mit Vongole veraci, Melanzaniauflauf, überbackene Gnocchi, gebratene Wachtel, Schweinshaxn mit Rosmarin, flüssiger Schokokuchen, Blätterteig mit Früchten – dazu ein Glas Chianti. Womit wir wieder dort angelangt sind, wo wir angefangen haben: Wenigstens einmal im Jahr muss es die Toskana sein!











