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Uisge beatha ('isch:ke 'ba:ha)


Das Gold der grünen Insel

Das "Wasser des Lebens", wie Whiskey aus dem gälischen "Uisge beatha" übersetzt heißt, hat von Irland aus die ganze Welt erobert. Bernhard Schäfer* über den Mildesten aller Whiskeys.      

Im frühen Mittelalter ging von Irland eine Missionar-Welle aus, irische Mönche christianisierten nicht nur Schottland und England, auch über den Kanal auf das europäische Festland zogen sie, um ihren Glauben in den noch nicht christlichen Ländern zu verbreiten. Mit dem Glauben kam auch die Kunst des Brennens zu uns. In der Fachwelt ist man sich einig, dass die Iren schon vor den Schotten das destilliert haben, was damals aqua vite genannt wurde und heute als Whiskey bekannt ist. Dennoch ist die Auswahl an Whiskey aus Irland nicht so vielfältig wie jene aus Schottland.

Der irische Whiskey hat ebenso wie das Land selbst eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Heutzutage gibt es praktisch drei und eine halbe Brennerei auf der Insel, die etwas über 30 verschiedene Whiskeys produzieren. Midleton im Süden, Bushmills in Nordirland und dann noch Cooley an der Grenze zu Nordirland. Drei und eine Halbe? Nun die halbe Brennerei ist Kilbeggan, die von Cooley im letzten Jahr wieder eröffnet wurde. Der Whiskey, der dort gebrannt wird, wird zweimal destilliert. Der Rohbrand von Cooley kommt per Tanklastwagen nach Kilbeggan, um dort ein zweites Mal gebrannt zu werden. Das geschieht aber erst seit 2007 und der Kilbeggan, den man derzeit kaufen kann, ist (noch) ein anderer.

 
Locke`s

Locke`s

John Locke Distillery, 0,7 l
Irland, Irische Blends
Best.Nr. 3744987
 
EUR 36,39
 
 
Irlands zerklüftete Küste

Doch der Reihe nach. Einst war der irische Whiskey der beliebteste der Welt, geschuldet seiner Weichheit. Dies hat mehrere Gründe, zunächst einmal die Art des Brennens. Früher wurde irischer Whiskey fast immer dreimal gebrannt, was dazu führte, dass das frische Destillat bereits milder und süßer war als die "Verwandtschaft" in Schottland. Hinzu kam, dass die Iren nicht nur gemälzte Gerste brannten, sondern auch ungemälzte.

Heute dominieren allerdings irische Blended Whiskeys den Markt. Die Blends werden jedoch anders als in Schottland in der Regel aus Whiskeys einer Brennerei zusammengemischt. Die Iren sprechen daher auch vom "vatting" und nicht vom "blending". Heute werden, wie in Schottland auch, ehemalige amerikanische Whiskeyfässer zur Reifung eingesetzt. Aber auch so genannte Finishes, also in Sherry- oder Madeirafässern nachgereifte Whiskeys, werden gerne hergestellt.

Gentlemen’s choice

Bevor die schottischen Blends den Markt eroberten, also vor der Erfindung der kontinuierlichen Destillation, war es der irische Whiskey, dreimal gebrannt, der für die Gaumen aller Gentlemen bestimmt war. Ironischerweise war es der irische Steuereintreiber Aneas Coffey, der sich einen kontinuierlichen Brennapparat, mit dem große Mengen an Whiskey kostengünstig produziert werden konnten, in der Folge auch "Patent Still" genannt, patentieren ließ und damit zum Niedergang der irischen Whiskies einen entscheidenden Anteil beigetragen hatte. Der Whiskey aus diesen Brennblasen wurde von den damaligen irischen Brennern weder ernst genommen, noch überhaupt als Whiskey gesehen, sondern verächtlich als "Silent Spirit" bezeichnet.

Irish Whiskey ist ein fester Bestandteil des irischen Selbstverständnisses, und gern beschließen der Ire oder die Irin einen harten Arbeitstag mit einem Gläschen Whiskey im Kreis der Kollegen oder Freunde in so einem Pub. Vielleicht spielt sogar eine Band im Hintergrund oder zumindest die Dubliners trällern mit "Irish Rover" aus den Lautsprechern. Das ist nicht nur in Dublin, Cork oder Belfast so, sondern auch im Irish Pub in Wien, Paris oder Berlin. Denn die Iren haben es gut verstanden, ihre Feierfreudigkeit zu exportieren, und mit ihr die heimischen Produkte.

 
Jameson Irish Whisky

Jameson Irish Whisky

Irish Distillers Limited, 0,7 l
Irland, Irische Blends
Best.Nr. 5336944
 
EUR 16,99
 
 
Irish Coffee

Irish Coffee & Co

Irish Whiskey ist auch durch den so genannten Irish Coffee bekannt geworden. Den gibt es erst seit Ende der 40er-Jahre, als ihn der Koch des Foynes Restaurant (im Vorläufer des Shannon Flughafens) wartenden Fluggästen anbot, die in der Kälte auf ihren Weiterflug nach Amerika warteten. Diese Mischung aus irischem Whiskey, Kaffee, Zucker und Obers hat dem Whiskey aus Irland durchaus zu größerer Popularität verholfen.

Neben dem Whiskey haben wir Irland aber auch einen der erfolgreichsten Liköre der Welt zu verdanken, Baileys Irish Cream, ein Whiskey-Sahne-Likör, der natürlich auch Nachahmer gefunden hat, wie zum Beispiel Carolans und eine ganz eigene Kategorie begründete. Eine ganze Armada irischer Kühe gibt ihre Milch allein für Baileys, denn jährlich werden gut vier Millionen Liter Obers benötigt.

Irischer Whiskey ist seit Längerem dabei seine einst starke Position wiederzuerlangen, insgesamt gibt es einen großen Nutznießer: uns, die Genießer guter Whiskies.


*Bernhard Schäfer ist freier Redakteur und schreibt unter anderem für die Zeitschrift "Der Whiskey-Botschafter"

 
Kilbeggan

Kilbeggan

John Locke Distillery in Kilbeggan, 0,7 l
Irland, Irische Blends
Best.Nr. 2935140
 
EUR 15,49
 
 
Tullamore Dew

Tullamore Dew

Tullamore Distillery, 0,7 l
Irland, Tullamore
Best.Nr. 2595948
 
EUR 15,99