Der Warenkorb ist leer

Die Geschichte der "La Signora Grappa"
Vom Soldatenschnaps zur Edelspirituose

"Unter Medizinern ist die Meinung weit verbreitet, dass es keine schlechte Stimmung gibt, die sich nicht mit Grappa in Nichts auflöste."
Von Vene Maier

Diese Meinung, die unter italienischen Medizinern vorherrschte, hat der Journalist Paolo Monelli aus Modena verzeichnet. Und Monelli, der 1984 im Alter von 93 Jahren gestorben ist, hat aus eigener Erfahrung berichtet. Immerhin war er Mitglied der Alpinen Brigaden des 1. Weltkriegs, und damals war Grappa enorm wichtig – wenn auch noch nicht so fein und elegant, wie sie sich heutzutage präsentiert.

Die Geschichte dieses Schnapses ist in Italien schon ziemlich lang und datiert so ungefähr aus dem 16. Jahrhundert. Ob schon damals reine Trebern vergoren und gebrannt wurden, gilt auch in der Geschichtsforschung als nicht ganz gesichert, aber Versuche mit allen möglichen Grundstoffen wurden jedenfalls an vielen Orten gemacht. In einigen Darstellungen wird das Friaul, in anderen das Veneto als Ursprungsort festgemacht, wobei die Gegend um den Monte Grappa einen gewissen Vorzug haben könnte.

Von Moral und Mut

Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts gilt Grappa nicht länger als derber "Bauernschnaps". Das Destillat aus den Rückständen der Weingewinnung erlangte quasi offizielle Anerkennung vor allem durch die Soldaten, die während des Ersten Weltkrieges in den Alpen kämpften. "In den feuchten und kalten Schützengräben stärkte ein kräftiger Schluck Grappa die Moral der Soldaten, die unter jämmerlichsten Verhältnissen und der Erschöpfung nahe ihren Dienst versehen mussten. So besingen denn auch viele Lieder der italienischen Gebirgsjäger die Grappa, und viele Schlachten wurden – auf beiden Seiten – von Männern geschlagen, die sich mit diesem trockenen und aromatischen Getränk, das die Kehle hinunterbrannte, Mut angetrunken hatten. Wie hätte man ohne Grappa sonst auf dem Monte Cauriol, auf den Gletschern der Marmolada oder auf dem Adamello überleben sollen?"

Diese Frage jedenfalls stellt Roberto Bosi in seinem Slow-Food-Büchlein über "La Grappa". Bosi hält auch fest, dass zur Herstellung von Grappa mindestens zwei Personen notwendig waren. "Und warum? Der eine destillierte, der andere schob Wache!" Das mit den zwei Personen gilt auch heute noch, beim zweiten handelt es sich jetzt allerdings um einen Winzer. Denn eine gute Grappa kann man nur aus frischem, nicht allzu sehr ausgepresstem Trester herstellen. Die Sorgfalt, die man heute den Rohstoffen für die Grappaherstellung zu Teil werden lässt, war jedoch bis vor zwanzig Jahren noch völlig unvorstellbar.

Reinsortige Grappe

Ganz anders heute: Die reinsortigen Grappe aus Moscato, aus Gewürztraminer, aus Amareno-, Barolo- oder Prosecco-Trauben sind von allerbester Qualität. Feinfruchtige Eleganz mit einer erkennbaren Differenziertheit, fachmännisch destilliert und ebenso gereift: Sie erfreuen Nase und Gaumen und wirken dabei besser – und gesünder! – als damals in den Schützengräben. "In einer kleinen Revolution", schreibt Bosi, "hat man sich auf die Herstellung reinsortiger Grappe verlegt." Ob im Veneto, im Friaul oder im Aostatal, ob im Piemont oder der Toscana – in allen Regionen Italiens werden heute die Pressrückstände der besten Weine mit modernen Verarbeitungstechniken hergestellt.

 
Bonollo Grappa di Prosecco

Bonollo Grappa di Prosecco

Distillerie Umberto Bonollo, 0,5 l
Italien, Italien. Regionencuvée
Best.Nr. 4457596
 
EUR 10,99
 
 
Nonino Vuisinar - Grappa di Tradizione

Nonino Vuisinar - Grappa di Tradizione

Destillerie Nonino, 0,7 l
Italien, Friaul-Julisch-Venetien
Best.Nr. 3744840
 
EUR 25,99
 
 

Wer Grappa trinkt, behauptet gerne, dass es sich dabei um ein Elixier für ein langes Leben handle. Grappa sei gesund, sagte und sagt man, und mache ganz einfach das Leben angenehmer. Als Italienreisender kann man dem nur zustimmen und sich über die Entwicklung freuen. Schließlich trinken wir die Grappa nicht mehr, um der Kälte eines Schützengrabens zu begegnen, sondern um den weichen und verführerischen Geschmack, den frischen und fruchtigen Duft von Wiesenblumen und Honig, die Finesse und Harmonie von Zitrusnoten und Pfeffer, den Rosenduft und die Schokonoten zu genießen. All das findet sich in der Grappa. Und wer sich einmal damit beschäftigt, findet noch viel mehr in dieser charakterstarken Edelspirituose. Und wird ganz sicher hundert Jahre alt.

Wünscht jedenfalls Ihr Vene Maier

Vene Maier ist seit über zehn Jahren Reisender in Sachen Genuss & Kultur. Seine Bücher über Schnaps und andere Genussmittel sind im Falter-Verlag erschienen.