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Eine klare Sache: Vodka

Woher kommt er? Welche Storys ranken sich um ihn? Worauf achtet man bei der Herstellung
besonders? Diesen Fragen wollen wir im Folgenden etwas nachspüren. Und – by the way – auch schauen, was Lifestyle und Promis mit Vodka am Hut haben.
Vorgestellt von Vene Maier.


Mütterchen, Väterchen, Wässerchen
Ich bin mir nicht sicher, vermute aber, dass, wo Größe und Menge enorm sind, die Bezeichnungen umso niedlicher ausfallen. Oder kleiner, sanfter, süßer. Jedenfalls: In Russland, groß und mächtig wie das Land nun mal ist, kommt der Diminutiv erst so richtig zur Geltung.

Da hätten wir zum Beispiel "Mütterchen Russland" und "Väterchen Frost". Beide entfalten - geopolitisch und meteorologisch - eine enorme Kraft und nachhaltige Wirkung. Voll logisch also, wenn sich die Menschen eines solchen Landes ein Getränk schaffen, das der kühlen Größe entspricht und es ganz einfach "Wässerchen" nennen. What else?

"Die gesamte Geschichte russischer Kultur ist untrennbar mit Vodka verbunden, und das von Anfang an", sagt Sergej Tschenzow. Und er muss es wissen, ist er doch Leiter und einer der Gründer des Museums für russischen Vodka am Konnogwardeiski-Boulevard in Sankt Petersburg. Hier können Russen und Ausländer der Rolle des Wodkas nachspüren. Und diese ist für Russlands Geschichte - so Tschenzow - kaum zu überschätzen. Schon der Kiewer Großfürst Wladimir habe im Jahre 988 unter anderem deswegen die christliche Religion (und nicht etwa die islamische) angenommen, weil, so Wladimir, "Trinken die Freude (unseres Reiches) ist, und wir nicht ohne auskommen können".

Eine frühe Erkenntnis, an der sich bis heute nichts Wesentliches geändert hat. Statistischen Erhebungen zufolge trinken die männlichen Bewohner Russlands pro Jahr im Schnitt 180 Flaschen der klaren, weitgehend geschmacksneutralen Destillate, die aus Korn, Kartoffeln oder Melasse hergestellt werden. Allerdings trinken nicht nur Russen viel vom "Wässerchen", Vodka - wie der Wodka neuzeitlich geschrieben wird - ist "der größte gemeinsame Nenner der trinkenden Welt", wie es in einem Artikel der deutschen "Welt" formuliert wurde. Vodka avancierte vom soliden Getränk für harte Trinker zur meistkonsumierten Spirituose weltweit.

Hier zeigt sich übrigens auch die Richtigkeit eines alten dialektischen Grundsatzes: Quantität führt ab einer bestimmten Menge zu einer neuen Qualität. Und mit dieser, der neuen Qualität des Vodka, wollen wir uns ein wenig näher befassen.

The making of Vodka
Vodka kann aus sehr unterschiedlichen Rohstoffen hergestellt werden. Wesentliche Voraussetzung für die Eignung als Rohstoff ist das Enthalten von Kohlenhydraten, die vorerst in Zucker und im Prozess der Vergärung in Alkohol umgewandelt werden. Mehrheitlich wird für die Herstellung Getreide verwendet, Vodka lässt sich aber auch aus Kartoffeln oder Melasse (Zuckersirup, Nebenprodukt der Zuckerherstellung) brennen. In Polen (das übrigens die Erfindung des Vodka für sich reklamiert) und Russland wird hauptsächlich Roggen verwendet. Das Produkt hieraus hat einen lieblichen, weichen, milden und leicht süßlichen Geschmack. Daher wurde Roggen als der beste Rohstoff für die Vodkaherstellung bezeichnet.

Jetzt aber haben wir Sex in the City, Manolos und iPhone und also auch einen Wandel im Vodka-Lifestyle. Sehr zu Carrys und unserem Vergnügen können wir uns einen Cosmopolitan in der Luxus-Super-Klasse mixen und damit viel lässiger als früher an der Bar lehnen. Weil wir machen’s nicht wie Igor und Iwan, die Mütterchen und Väterchen mit einem Wasserglas voll Vodka ehren, sondern wie Mausi und Bussi: alles vom Feinsten, dafür etwas weniger.

"Russland", lehrt uns Sergej Tschenzow, "ist ein riesiges, kaltes Land. Vodka hat uns Russen nicht nur immer gewärmt, sondern auch zu einem Volk vereint." In der Tat, wie die "Basler Zeitung" feststellt: "Ob der Kauf des ersten Autos oder der Freikauf der Braut bei den Schwiegereltern am Hochzeitsmorgen: Von Moskau bis Wladiwostok sind in diesen und anderen Lebenslagen mindestens 100 Gramm Vodka fällig. Soldaten und Studenten legen ihre Orden beziehungsweise Diplomnadeln in ein Wasserglas - und füllen es mit Vodka auf." Was sonst, bitte? Wer schon mal wie ich das Privileg hatte, an einer russischen Festtafel, auf der sich die ganze Pracht russischer Küche versammelt, als Gast teilzunehmen, weiß, was sich gehört: Unter fünf Achteln geht da gar nichts. Klaren Wässerchens. Pur natürlich. Nasdarowje!

 
Grasovka Bison Vodka

Grasovka Bison Vodka

Underberg, 0,7 l
Polen, k.A., Urwälder Ostpolens
Best.Nr. 5358168
 
EUR 10,99
 
 

Luxury-Vodkas
Aber jetzt kommen die Luxus- und Designer-Vodkas, die zwar auch nur sind, was "Die Welt" als "hochprozentiges Nichts" bezeichnet (also weitgehend aromafrei auftreten), dafür aber aus hochwertigem Weizen hergestellt und um ein Vielfaches sauberer destilliert werden, als dies beim traditionellen Vodka der Fall war.

Der Erfolgslauf der Premium-Vodkas hat seine Wurzeln im hedonistischen Lifestyle westlicher Metropolen. Auch mit Hilfe von Carry Bradshaw und Freundinnen, sowie von Stones-Gitarrist Keith Richards und der "Aktiven Vodka-Trinker-Gruppe", zusätzlich gepusht mit den Methoden modernen Marketings, setzten die Luxury-Vodkas global zu einem bemerkenswerten Siegeszug an. Legendär - und damit ein Schulbeispiel - ist die Kampagne des schwedischen Absolut-Vodka. Nicht weniger erfolgreich war auch Sidney Frank mit seinem "Gray Goose Vodka", den der (2006 in New York verstorbene) US-Amerikaner exklusiv in Frankreich produzieren ließ. Der "Gray Goose" wird auch heute noch, nachdem die Marke für über zwei Milliarden Dollar von Bacardi gekauft wurde, nach Franks Methode in Gensac-la-Pallue im Département Charante aus 100 Prozent hochwertigem Weizen hergestellt.

Das nämlich ist das Geheimnis des Luxury-Vodkas: bestes Grundmaterial und wesentlich verbesserte Herstellung. Damit der Vodka möglichst keinen Geschmack hat, wird das Destillat nach dem Brennen gefiltert, um die Begleitaromen zu entfernen. Die Flüssigkeit wird dazu durch Säulen gepumpt, die Aktivkohle enthalten und die Aromastoffe aufnehmen. Weitere Filterarten sind die biologische (durch Milcheiweiß) oder die elektrische Filterung. Nach dieser Filterung der unerwünschten Aromastoffe werden noch enthaltene Schwebeteilchen durch Filterpapier entfernt. Das Gelingen und die Qualität der Filterung entscheiden dabei auch über die Qualität des Endprodukts.

Ein gut gelungenes Beispiel für die neuen Designer-Vodkas ist der Stolichnaya Elit, hergestellt in Russland und als Ultra-Luxury-Vodka beworben. Für den "Elit" wird die Maische aus 100 % Winterweizen gebraut und er wird 50 mal langsamer destilliert als herkömmlicher Vodka. Nur der feinste Teil des Rohdestillats, der so genannte Lux-Vodka, wird weiterverarbeitet, die traditionelle Filterung durch Birkenholzkohle und Quarzsand und das anschließende mehrmalige "Freezing" (bei Temperaturen von minus 18 Grad wird das Destillat in Fässern gelagert, wobei alle Verunreinigungen an den Wänden der Fässer einfrieren) garantieren ein absolut reines Produkt. In Duft und Geschmack herrlich mild, am Gaumen aber entzündet sich bei jedem kühlen Schluck ein wunderbares, sanftes Feuer, das sich pur getrunken am besten entfalten kann.

Reines, hochprozentiges Nichts zu trinken, ist derzeit voll im Trend. Wie schon erwähnt, haben auch etliche Berühmtheiten zu diesem Trend beigetragen. So schreibt der Autor Michael Fuchs-Gamböck über Keith Richards, er habe schon vor über zehn Jahren eine grundlegende Wandlung seiner Gewohnheiten vollzogen: "Rolling Stones-Gitarrist Keith Richards, der noch kürzlich unter ungeklärten Umständen von der Leiter seiner Bibliothek gestürzt ist, wo er vermutlich in der großen Bibel von Mr. Jack Daniels schmökerte, hat jahrelang nach einer kurzen Morgengymnastik erst einmal die Bourbonflasche an den Hals gesetzt - noch vor dem Frühstück. Mit seinem ehemaligen Lieblingsgetränk hat er sich allerdings 1996 verkracht, nur um sich mit der gleichen Leidenschaft auf dessen russischen Konkurrenten zu stürzen: ‚Ich habe 35 Jahre lang Whiskey getrunken, jetzt trinke ich Vodka‘."

Auch andere Berühmtheiten aus der Welt des Show-Business wie etwa Errol Flynn, James Dean, Humphrey Bogart, Marilyn Monroe, Mae West oder deutsche Künstler wie Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge und Jürgen Vogel werden als ausgewiesene Vodka-Trinker angeführt, die das Ihre zum Kultstatus des klaren Wässerchens beigetragen haben. Manche dieser Größen sind zwar nicht mehr, aber die Fahne des Vodka wird auch von hippen Idolen der Jetztzeit weiter hoch gehalten. So berichtet etwa Spiegel.online über die Vereinigung "Aktive Vodka-Trinker", zu der sich u. a. Amy Winehouse, Britney Spears und Lady Bitch Ray bekennen. Auch Karl Dall und LaFee werden als Mitglieder angeführt.

Da könnten wir uns doch glatt anschließen und den Genossen im Vodkageiste ein herzhaftes "Nasdarowje" zumailen. Meint jedenfalls Ihr Vene Maier.

 
Stolichnaya Elit Vodka

Stolichnaya Elit Vodka

Product of S.P.I. Group, 0,7 l
Rußland, Weinland
Best.Nr. 5012435
 
EUR 75,00
 
 

Von Mengen & Sorten

Vodka zum Essen
Vodka trinken gehört in vielen Ländern zum täglichen Ritual - und das nicht nur in geselliger Runde. Vodka passt auch hervorragend zu verschiedenen Gerichten. Die bekannteste Kombination ist wohl Caviar und Vodka. Hierbei sollte der Vodka eisgekühlt getrunken werden, um den Caviar-Geschmack nicht zu überdecken. Auch Roggenbrot passt hervorragend zu Vodka. Durch die leichte Süße des Brotes kommt der Geschmack des Vodka stärker zur Geltung, verliert aber seine Schärfe.

Vodka harmoniert auch mit verschiedenen Fischgerichten. Er passt sehr gut zu geräuchertem oder Graved-Lachs, auch zu Heringen und anderen salzig eingelegten Gerichten ist Vodka ein guter Begleiter. Nicht zuletzt Krustentiere mit ihrem süßlichen Fleisch passen gut zu Vodka. Pökelfleisch und stark geräucherte Fleischwaren werden durch den Genuss von Vodka leichter verträglich.


Geschichte des Vodka
Unklar ist, ob Vodka zum ersten Mal in Russland oder in Polen destilliert wurde. In beiden Ländern ist das alkoholische Getränk besonders beliebt und beide Länder behaupten auch, den ersten Vodka hergestellt zu haben. In einigen Quellen wird von einem Vodka aus dem
15. Jahrhundert gesprochen. Diesen Vodka kann man aber nicht mit dem heutigen vergleichen, denn er hatte nur etwa die Hälfte des Alkoholgehalts des heutigen Vodka
(auf Grund der schlechten Distillen).
Aus dem Jahre 1405 stammt der erste amtliche Eintrag über die Herstellung eines Vodka
(in Sandomierz, damaliges Königreich Polen).