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Überseeisch gut

Weine aus der Neuen Welt Australien, Südafrika, Chile, USA, Argentinien: Die Weinländer der Neuen Welt liegen voll im Trend. Chardonnay und Cabernet sind dabei längst nicht mehr alles. Inzwischen gibt es viele charaktervolle Spezialitäten und Top-Gewächse zu entdecken.

Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, so nannten die früheren Auswanderer einst Amerika. In Sachen Wein gilt dies heute für alle Weinländer der Neuen Welt. Denn der Weinbau boomt. Großzügige Gesetzgebung, viel Platz für neue, teilweise riesige Rebflächen, ideales Klima, solides Know-how und vorhandenes Kapital für eindrucksvolle Investitionen in Kellertechnik und Weinausbau, geringe Arbeitskosten und dazu eine steigende Nachfrage bei den Konsumenten in aller Welt - es herrschen paradiesische Zeiten für Winzer. Viele von ihnen sind sehr ambitioniert und haben der Weinwelt neue Impulse gegeben. Einigen gigantischen Kellereien mit preiswerten Weinen, die zwar den gängigen Verbrauchergeschmack treffen, aber Individualität etwas vermissen lassen, stehen dabei Erzeuger gegenüber, die ganz eigene, hochwertige Weintypen erschaffen.

Aber am besten probieren Sie selbst aus, was Ihnen schmeckt: Es gibt viel zu entdecken! Beginnen wir bei den am weitesten entfernten Weinbergen.

Neuseeland

Von uns aus gesehen ganz am anderen Ende der Welt liegt Neuseeland, das hier eher durch Lamm und Kiwifrüchte bekannt ist als durch seine Weine. Doch die beiden grünen Inseln mit ihrer klaren Luft, ihrem sauberen Wasser und dem europäisch-kühlen bis subtropisch-milden Klima bringen seit einigen Jahren auch international Aufsehen erregende Tröpfchen hervor. Vor allem die spritzig-frischen Weißweine gelangen in den europäischen Handel, aber mehr und mehr kommen auch die gehaltvollen Rotweine aus Kiwiland zu uns. Sowohl weiß als auch rot erfreuen sie mit üppigen Aromen, die durch frische Säure gestützt werden. Unter den neuseeländischen Weinen gibt es jedoch einen unbestrittenen König: den Sauvignon Blanc.

Eher zufällig fand man heraus, dass der Sauvignon Blanc in den kühlen Meeresbrisen der Region Marlborough im Norden der Südinsel ganz besonders fruchtige Aromen hervorbringt. Der größte neuseeländische Erzeuger, Montana, ließ die ersten Reben anpflanzen. Heute ist Marlborough neben Hawke‘s Bay (Nordinsel) das Aushängeschild des Neuseeländischen Weinbaus. Der Sauvignon Blanc schmeckt nach Ananas und Maracuja, Apfel und Zitrusfrüchten. Daneben hat er häufig grasig-kräuterige Noten - eine neuseeländische Besonderheit. Der berühmteste Sauvignon Blanc kommt vom Weingut Cloudy Bay - er wird regelmäßig preisgekrönt. Aber auch andere Winzer haben hier schöne Söhne, etwa Chardonnay, Cabernet und auch Pinot Noir. Es lohnt sich auf jeden Fall, die weitgereisten Tropfen einmal zu probieren!

 

Australien

Australien bringt Weine von ganz anderem Charakter als die neuseeländischen hervor. Die Weinanbaugebiete konzentrieren sich auf den Südwesten und -osten des riesigen Kontinents. Nicht nur warme Regionen gibt es hier, auch Gegenden, die mit kühleren Winden gesegnet sind und sich daher gut für die Weiß- und Schaumweinproduktion eignen. Vor allem aber die Namen der Täler rund um Adelaide sind dem Australien-Wein-Fan ein Begriff: Barossa Valley, McLaren Valley, Eden Valley. Im trocken-warmen Klima gedeihen Weine, die Genießer rund um die Welt mit der Zunge schnalzen lassen - vor allem körperreiche, üppig-samtige Rotweine. Als ein richtiger Kraftprotz kommt der Shiraz daher. Die Rebsorte stammt ganz ursprünglich wohl aus Persien, bevor sie in Frankreich an der Rhône unter dem Namen Syrah zunächst einmal angebaut wurde, um in Cuvées aus mehreren Rebsorten für eine schöne, tiefrote Farbe zu sorgen. Schließlich entdeckte man, dass der aus ihnen gemachte Wein eine ganz eigene Aromenfülle besitzt und gewährte ihm zunehmend Soloauftritte. In Australien ist das Klima für ihn ideal, und so kann er hier mit würzigen Noten von dunklen, getrockneten Beeren und Pfeffer, Anklängen von Lakritz oder Mokka und manchmal mit einem Hauch Eukalyptus (klar, wir sind ja in Australien) überzeugen.

 

Südafrika

Mildes, mediterranes Klima und eine dramatisch schöne Landschaft kennzeichnen die südafrikanische Kapregion. Jan van Riebeeck, der hier Mitte des 17. Jahrhunderts mit seinen niederländischen Söldnern an Land ging, dachte sich gleich, dass hier Wein gut gedeihen könne und ließ sich aus Europa Weinstecklinge schicken. Ein paar Jahrzehnte später machten sich französische Hugenotten daran, den Weinbau zu verfeinern - so manchen ihrer Namen kann man noch auf südafrikanischen Weinflaschen entdecken, und die Weinregion Franschhoek - Franzosen-Ecke - erinnert noch heute an sie. In den Jahren der Apartheid-Politik war Südafrika weitgehend vom Export abgeschnitten, und Wein war im eigenen Land nicht sonderlich gefragt. Mit der politischen Wende 1991 setzte jedoch ein regelrechter Boom ein, denn alle Welt war an den preiswerten, aber guten Weinen vom Kap interessiert. Wein wurde zu einem der wichtigsten Exportgüter Südafrikas, und viel Überzeugendes lässt sich hier entdecken.

Neben einigen weißen Rebsorten - die am häufigsten anzutreffende Vertreterin ist Chenin Blanc, in Südafrika Steen genannt -, die gern im Eichenfass gelagert werden, ist vor allem die Rotweinsorte Pinotage charakteristisch für Südafrika. In den zwanziger Jahren wurden Pinot Noir und Cinsault (auch Hermitage genannt) in Stellenbosch miteinander gekreuzt und ergaben diese Erfolg versprechende Rebsorte. Einige wenige Winzer erzielten von Anfang an hervorragende Ergebnisse, so mancher tat sich zunächst aber schwer, sodass es in den siebziger und achtziger Jahren hieß, der Pinotage bringe vor allem raue und eckige Weine ohne Potenzial hervor. Erst in den neunziger Jahren wagten sich wieder mehr Winzer an die Sorte heran. Junge Pinotages sind tiefdunkel, fruchtbetont und rechte Gaumenschmeichler. Größe erlangen sie, wenn sie von alten Reben stammen und gekonnt im Fass ausgebaut wurden: Feine Tanninstruktur und fester Körper verleihen ihnen Klasse. Eine Köstlichkeit vom Kap!

 
Boland Cellar Pinotage

Boland Cellar Pinotage

Boland Cellar, 2009, 0,75 l
füllig & fruchtig

Südafrika, Western Cape, Paarl
Best.Nr. 4345718
 
EUR 4,99
 
 

Argentinien

Denken Sie auch vor allem an Rinderherden, Gauchos und Pampa, wenn Sie das Stichwort Argentinien hören? Dabei hat das Land westlich der Anden auch eine Weinbautradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Zu dieser Zeit entdeckten spanische Siedler, dass sich die Andenausläufer möglicherweise zum Weinbau eignen könnten. Doch das Klima war von Hitze und Trockenheit geprägt. Also entschlossen sich die Siedler, ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem anzulegen, das sich ausgezeichnet bewähren sollte!

Im Vergleich zu manch anderem Weinbau treibenden Land der Neuen Welt werden in Argentinien sehr viele verschiedene Rebsorten angebaut. Aber das ändert sich langsam, auch durch die Nachfrage aus Übersee. Zunehmend konzentriert man sich hier auf weniger, dafür edlere Sorten.

Ein Aushängeschild des argentinischen Weinbaus ist der Malbec, eine rote Rebsorte, die ursprünglich aus dem Südwesten Frankreichs stammt. Dort weiß sie nicht besonders zu überzeugen, aber in dem wüstenähnlichen Klima Argentiniens entsteht aus ihr ein weicher, aromatischer Wein. Leider wurden im Zuge des Weißweinbooms der siebziger Jahre sehr viele alte Malbec-Rebstöcke gerodet, aber zum Glück gibt es noch genug davon, um den Weingenießern in aller Welt ein aufrichtiges "Caramba!" zu entlocken.

 

Chile

Chile ist ein Land mit vielen Gesichtern. Prächtige Bauten gibt es in den Städten ebenso wie elende Slums. Die Landschaften sind großartig, aber ständig von Naturkatastrophen bedroht. Ein bisschen ist es auch beim Wein so: Glück und Leid liegen hier nah beisammen. Lange Zeit galt das lange, schmale Land als Großproduzent für auf Massengeschmack getrimmte, belanglose Weinchen, die allzu lange im Holzfass gelagert wurden. Irgendwann jedoch begann man, Chiles Potenzial - gemäßigtes Klima, pazifische Winde und von der Reblaus verschonte Weinstöcke - zu erkennen, und das nicht nur im eigenen Land. Renommierte Erzeuger aus Frankreich, Spanien und den USA beeilten sich, Kooperationen mit den vielversprechendsten chilenischen Erzeugern zu schließen. Die Weine, die mit diesem geballten Know-how - und mit einer ordentlichen Portion Hightech - hergestellt werden, können sich wirklich sehen lassen.

Außer mit seinen weichen, gar nicht mehr so holzlastigen Chardonnays überzeugt Chile vor allem mit Cabernet Sauvignon. Dieser kräftige Rotwein hat typischerweise Aromen von grünem Paprika und schwarzen Johannisbeeren; bei den chilenischen Vertretern kommt häufig noch eine leicht kräuterwürzige Note hinzu. Cabernet Sauvignon ist ein Wein mit vielen Gerbstoffen, den Tanninen. Das macht ihn zu einem Wein, der sich gut lagern lässt - wenn man das überhaupt möchte. Erst vor knapp zehn Jahren haben Rebforscher in Chile eine alte, aus Frankreich stammende Rebsorte identifiziert: der Carmenère. Er hat mit viel Saft und Kraft das Zeug zum echt chilenischen Weintyp.

 

USA, Kalifornien

Das wichtigste Anbaugebiet in den USA ist Kalifornien - jener von der Sonne verwöhnte Bundesstaat, der seit jeher Menschen aus allen Himmelsrichtungen aufnahm. So aufgeschlossen gegenüber Neuerungen man hier sonst auch ist: Von Anfang an setzte man im Weinbau auf in Europa bereits bewährte edle Rebsorten. Nicht selten werden die Trauben von Farmern angebaut, die darauf spezialisiert sind. Die Weinbereitung hingegen wird meist von riesigen Wineries übernommen, die ihr Lesegut gezielt für ihre speziellen Bedürfnisse einkaufen. Auf diese Weise ergibt sich ein größerer Handlungsspielraum für den Weinproduzenten. Die Ergebnisse dieser Experimentierlust können sich sehen lassen!

Wie überall existieren auch in Kalifornien auf Durchschnitt getrimmte Massenware, saubere Alltagsweine und Spitzenerzeugnisse nebeneinander. Der Star unter den kalifornischen Weinen ist neben Cab (Cabernet) und Chardonnay sicher der Zin, der Zinfandel - eine rote Rebsorte, die mit dem süditalienischen Primitivo identisch ist (aber der amerikanische Name klingt schon besser, oder?). Stammt er aus den eher kühlen Weinbauregionen Kaliforniens, zeigt er sich mit feinen Tanninen und frischen Fruchtnoten. Hat er viel warme Sonne abbekommen, wird er zum breitschultrigen Hitzkopf, der vor kräftigem Brombeeraroma nur so strotzt. Auf feine Art gemacht, gehört dieser Wein zum Allerbesten, was die Neue Welt zu bieten hat!