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Central Valley mit Blick auf Bordeaux

Maipo, Rapel, Curicó und Maule - nein, das sind nicht die Namen von vier chilenischen Abenteureren - das sind die vier Regionen, die das Valle Central oder Central Valley bilden. Mit rund 30000 Hektar Rebfläche ist das Valle Central die wichtigste Weinbauregion Chiles - südlich von Santiago gelegen.

Gegensätze prägen das Klima: mediterrane, warme, trockene Sommer und winterliche Kühle, mitunter mit starken Regenfällen verbunden. Diese so unterschiedlichen klimatischen Bedingungen werden von den meisten Rebsorten geliebt. "Die besten Weine der Welt werden in den wärmeren Gebieten kühler Klimazonen gemacht - wie in Bordeaux - oder in den kühleren Gebieten warmer Klimazonen - wie im Maipo-Tal." Dies konstatierte einmal der französische Weinfachmann Bruno Prats, der sich in der Region von Maipo ein Weingut gekauft hat - mit gutem Grund. Und er ist nicht der einzige, der hier perfekten Wein macht!

Errázuriz - chilenische Raffinesse

"Vom besten Boden den besten Wein", sagte sich Don Maximiano Errázuriz 1870 und gründete ein Weingut, das im Laufe der Zeit immer weiter expandierte und mittlerweile auch im Valle Central ansässig ist. Heute wird Errázuriz von Eduardo Chadwick geleitet, einem Nachfahren Don Maximianos. Die Weine der Bodega zählen zu den besten chilenischen Tropfen. Getreu dem Motto des Gründers gehört der Umgang mit "Terroir" zum Handwerkszeug des leitenden Errázuriz-Weinmachers Edward Flaherty. Die Weine werden in kleinsten Einheiten ausgebaut, das ergibt unendlich viele Möglichkeiten für die Kunst der Cuvée, die hier besonders gepflegt wird. Dem Merlot wird zum Beispiel ein wenig Cabernet Sauvignon beigefügt – gerade genug, um dem weichen Merlot einen winzigen Paprika-Touch zu verleihen. Das ist eben chilenische Raffinesse!

 

Almaviva – Musik im Glas

Auf die Kunst der Cuvée versteht man sich auch in besonderer Weise bei Viña Almaviva: Das Weingut wurde 1996 in französisch-chilenischer Kooperation großer Namen gegründet: Rothschild und Concha y Toro. Aus dieser Zusammenarbeit entsteht ein großer Rotwein im Bordeaux-Stil, der chilenische "Cru Classé": Almaviva. Er wird seit 2004 von Weinmacher Tod Victor Mostero aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und einem Anteil der Carmenère-Trauben komponiert. Das ergibt einen komplexen, eleganten Wein, der sich vor seinen Bordelaiser Brüdern nicht zu verstecken braucht. Der Name Almaviva rührt übrigens von de Beaumarchais Theaterstück "Le Mariage de Figaro", das von Mozart so wunderbar vertont wurde; der Graf Almaviva spielt darin ja eine wichtige Rolle. Auf dem Etikett des feinen Roten findet sich de Beaumarchais‘ Schriftzug ebenso wie chilenische Symbole aus der präkolumbianischen Zeit - eine echte Synthese eben! Übrigens ist die Carmenère, eine ursprünglich aus Europa stammende Sorte, erst vor wenigen Jahren durch genetische Analysen in Chile identifiziert worden. Man hat sie lange mit dem Merlot verwechselt, wird aber heute auch sortenrein ausgebaut und ist auf dem besten Weg, eine typisch chilenische Leitsorte zu werden, ähnlich dem Malbec in Argentinien.

Baron Philippe de Rothschild bringt in Chile auch einen weiteren Rotwein hervor: Der Escudo Rojo (spanisch für "Rot-Schild") entsteht auch im Maipo-Tal und erinnert mit seinem Körperreichtum, seiner sanften Frucht und Finesse - wen wundert's - ebenfalls an feine Rote aus Bordeaux. Er vereinigt Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Carmenère.

 
Rothschild Escudo Rojo

Rothschild Escudo Rojo

Baron Philippe de Rothschild, 2008, 0,75 l
füllig & würzig

Chile, Maipo Valley
Best.Nr. 4297048
 
EUR 9,99
 
 

In Chile ist man offen für Tipps und Tricks aus anderen Weinbauregionen. So kann man an den Rebzeilen des Weingutes Montes Rosen blühen sehen - ein Kniff aus dem alten Europa. Rosen zeigen Mehltau nämlich früher an als die Reben! Weinmacher Aurelio Montes war übrigens der erste, der in Chile Stahltanks errichten ließ und für den Ausbau von Weißweinen französische Eichenfässer verwendete. Tradition und Innovation - dieses so oft strapazierte Wortpaar passt bei Montes nun wirklich! Der Weinberg, mit dem die Geschichte des Weingutes begann, liegt südlich von Curicó und birgt Rebstöcke, die fünfzig bis hundert Jahre alt sind. Die Weine, die aus den sorgfältig reduzierten Erträgen gewonnen werden, sind konzentriert und voller Saft und Kraft. So auch der Montes Alpha Merlot aus dem Rapel-Tal - ein reinsortiger, nach Kirschen und Heidelbeeren duftender und schmeckender Merlot, der zehn Monate im Fass ausruhen darf und so eine nicht zu aufdringliche, aber würzige Holznote erhält.

Im Maule-Tal, der südlichsten der Regionen des Valle Central, haben Kieselböden das Sagen. Christian Cremaschi, der das gleichnamige Weingut leitet, arbeitet die Reste der Weinbereitung wie Traubenschalen, -stiele und -kerne in die mageren Steinböden ein, um auf umweltfreundliche Art hervorragende Ergebnisse zu erreichen. Christian Cremaschi sieht das wahre Geheimnis guten Weines im Weingarten: "Man kann den besten Weinkeller und den besten Önologen haben: Wenn man keine Top-Qualität im Weingarten hat, kann man nicht diese Qualität erreichen, die wir heute hervorbringen!" Der in Bordeaux und Kalifornien ausgebildete Weinmacher baute das Weingut im Jahr 1998 komplett um und aus; dann war das Weingut Cremaschi bereit, die Trauben von 100 Hektar Rebland optimal zu verarbeiten. Christian Cremaschi konzentriert sich auf wenige Rebsorten, zum Beispiel auf den Cabernet Sauvignon, der dunkelrot ins Glas fließt, würzig nach Beeren duftet und einen leichten Vanilleton hat.

Christian Cremaschi war nicht der einzige, der sein Weingut in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts umbaute. Viele Weinmacher wollten die modernsten Standards für ihre Trauben. Und da auch in Chile rote Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot zuhause sind, hat man sich auch zu jener Zeit auf Anregung des Hauses Rothschild die Bordelaiser Art zu eigen gemacht, die Rotweine nach der Gärung mit den Traubenschalen in Kontakt zu lassen.

 
Cremaschi Furlotti Cabernet Sauvignon

Cremaschi Furlotti Cabernet Sauvignon

Cremaschi Furlotti, 2009, 0,75 l
füllig & fruchtig

Chile, Maule Valley
Best.Nr. 3651971
 
EUR 6,49
 
 
Discover Wines Montes Alpha M

Discover Wines Montes Alpha M

Discover Wines, 2007, 0,75 l
füllig & würzig

Chile, Colchagua, Apalta
Best.Nr. 3929490
EUR 44,90
 
 

Und noch ein wenig Historisches...

Weinanbau in Chile, das ist keine moderne Erfindung: Schon die spanischen Eroberer dachten sich Mitte des 16. Jahrhunderts, dass sich die schönen Täler ausgezeichnet für Reben eignen müssten und pflanzten eher rustikalere Sorten wie País, Mission, Rorontel oder Moscatel an. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden weitere Sorten eingeführt. Das erwies sich als segensreich, als die Reblaus in vielen Ländern der Welt die Weinberge verheerte: Die Atacama-Wüste im Norden, Patagonien im Süden, der Pazifik im Westen und die Anden im Osten hielten den Schädling gemeinschaftlich von den chilenischen Rebflächen fern. Das brachte Kontinuität in den hiesigen Weinbau, die anderswo erst wieder mühsam erarbeitet werden musste.

Die hervorragenden landschaftlichen und klimatischen Bedingungen Chiles, gepaart mit Know-how aus aller Welt: Das bringt Power ins Glas! Und die Poesie kommt auch nicht zu kurz. Der Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda hat einmal über seine Heimat gesagt: "Chile wurde von einem Dichter entdeckt." Wir glauben es.