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Klassisch, einfach, gut!

Lassen wir die Limetten tanzen!

Über das Mixen von Cocktails: je klassischer, desto einfacher, desto besser.

Also, jetzt mal ehrlich: Haben Sie einen richtigen Shaker zuhause? Und einen Icecrusher, der alle Stückeln spielt? Wissen Sie, was ein "Strainer" ist? Wenn Sie das alles wissen und erst einmal haben, brauchen Sie nur noch Wassermelonensirup, Grenadinensirup und Zitronenlikör. Und Rum natürlich. Oder Cachaca, Tequila, Vodka, Pitú, Martini. Und. Und. Und.

Das können Sie jetzt alles - richtig kombiniert und dosiert versteht sich - im Shaker schütteln, mit dem Strainer in die vorbereiteten Gläsergarnituren einfüllen, mit langstieligen Löffeln umrühren, leicht und fröhlich garnieren - und schon haben Sie einen perfekten Cocktail für Ihre Gäste. Klingt einfach und schmeckt wunderbar. Die Kreation braucht jetzt nur noch einen Namen. "Tangerine Dream" zum Beispiel, oder "Long White Nights in Devils Park". Praktisch sind Ihrer Phantasie ja keine Grenzen gesetzt, lassen Sie da Ihrem Erfindungsreichtum ruhig freien Lauf.

Oder Sie bleiben ganz nüchtern. Und sozusagen am Boden der Wirklichkeit. Man kann das auch das weite Feld der Erfahrung nennen. Eine Erfahrung, die schon ganze Epochen durchlaufen und tausendmal Freude bereitet hat. Dann wären Sie jetzt bei den Klassikern angekommen. Die haben - zumeist - freilich einen kleinen Nachteil: Nicht nur, dass die Rezepturen schon x- und millionenmal ausprobiert sind, sie haben alle auch schon einen Namen und - was Ihre Phantasie jetzt noch zusätzlich behindert - sie sind soo einfach zu machen, dass Ihnen eventuell der Spaß dabei verloren geht.

Falls Sie aber zu den konservativen Köchen gehören und sich gern an Onkel Ernests Geschmack orientieren, dann sind Sie jetzt und hier genau richtig. Hier nämlich beginnt unsere Reise zu den und durch die klassischen Rezepturen der internationalen Long- und Shortdrinks, die einst im schönen Manhattan seinen Anfang nahm. Wo sie endet, werden wir erst sehen.

Eines ist all diesen Klassikern - oder sagen wir mal: den meisten - gemeinsam: Die Limette spielt eine wichtige Rolle. Da und dort ist es vielleicht auch eine Zitrone, aber die Spritzigkeit der Zitrusfrucht passt einfach gut in einen sommerlich-leichten und spritzig-fröhlichen Cocktail. Und noch etwas passt gut zu vielen dieser Drinks: ein paar Blätter oder Zweige der Minze*).

Der Manhattan ist ein klassischer Cocktail, der aus 4 cl Canadian Whisky, 2 cl Vermouth dry oder rosso und zwei Spritzern Angostura gemixt wird. Als trockener Shortdrink gehört er zu den Aperitifs. Er wurde erstmals von einem unbekannten New Yorker Barkeeper im Auftrag Jennie Churchills zubereitet und nach dem Club "Manhattan" benannt. Je nach verwendetem Vermouth nennt man den Manhattan dry (nur trockener), perfect (halb und halb) oder sweet (nur roter).

Der Aperitif Cosmopolitan ist ein alkoholhaltiger Shortdrink und wird erst seit den 1990er-Jahren serviert. Er besteht aus 2 cl Wodka, 2 cl Cranberrysaft sowie je 1 cl Cointreau und Limettensaft. Steht kein Cranberrysaft zur Verfügung, kann alternativ auch der Saft der Preiselbeere verwendet werden. Der Cosmopolitan steht sinnbildlich für die moderne, designorientierte Bar, die der Barboom der 90er-Jahre hervorbrachte. Seit der Erwähnung in der Fernsehserie Sex and the City ist er zu einem der bekanntesten Cocktails avanciert.

Vom Manhattan zum Cosmopolitan und von da zum Martini ist es nur ein kleiner Schritt. Der Ursprung dieses Getränks ist weitgehend unbekannt. Es kursieren aber viele Gerüchte und Legenden, bewiesen ist keine. Der Martini gilt als Inbegriff des bürgerlichen, städtischen, säkularen Amerikas. 1933 wurde mit Martinis im Weißen Haus das Ende der Prohibition gefeiert.

Trockener Martini: Die wahrscheinlich bekannteste Form des Martinis ist der trockene Martini. Man mischt in der Regel 4 Teile Gin (bevorzugt wird eine nicht allzu wacholderbetonte, aber dennoch trockene Sorte) und 1 Teil trockenen Vermouth und garniert das Ergebnis in einem konischen Cocktailglas mit einer grünen Olive samt Stocher. Die Zutaten sollten sehr kühl sein. Sie werden mit Eiswürfeln im Shaker oder in einem Rührglas gemischt und anschließend abgeseiht (geschüttelt, nicht gerührt wollte ihn James Bond immer trinken, und noch dazu ersetzte 007 den Gin durch Vodka. Aber James Bonds Ausspruch "Geschüttelt, nicht gerührt" ist nicht unumstritten. So bilden die beiden Spirituosen durch das Schütteln eine Emulsion, die den Martini für kurze Zeit trüb macht, was bei manchen Kennern als verpönt gilt; zur Zeit der Entstehung der Romanvorlage wurde ein Martinicocktail üblicherweise gerührt. Aber jedem das Seine...).

Wir kommen ganz ungezwungen zur Margarita, welche keine schöne Mexikanerin, sondern ein sehr einfacher und gerade deswegen sehr wohlschmeckender Cocktail ist. Der Hauptbestandteil ist Tequila, das Besondere ist der Salzrand am Glas. Nach klassischer Art wird die Margarita aus Tequila, Curaçao und Limettensaft gemixt, mittlerweile existieren aber auch zahlreiche Varianten wie die Strawberry Margarita mit Erdbeersirup.

Der Tequila Sunrise (Tequila Sonnenaufgang) ist ein fruchtiger, süßer Cocktail. Er verdankt seinen Namen der charakteristischen Farbabstufung von gelblich-orange (oben) über orange bis orangerot (unten). Dem Cocktail verdankt auch der Film Tequila Sunrise (mit Mel Gibson, Michelle Pfeiffer, Kurt Russell, Raul Julia und J. T. Walsh) aus dem Jahr 1988 den Namen.

Üblicherweise nimmt man für einen Tequila Sunrise ein hohes, schmales Cocktailglas. Dann gießt man den Tequila (1 Teil) und den Orangensaft (3 Teile) hinein und verrührt die beiden Bestandteile. Nun kippt man das Glas leicht und lässt vorsichtig einen Schuss Grenadine am Rand ins Glas laufen. Die Grenadine setzt sich unten ab. Will man noch Zitronensaft hinzugeben, gießt man ihn am besten bei aufrechtem Glas in die Mitte des Getränks. Alternativ kann man ihn auch über einen Löffel gießen, der knapp über die Oberfläche gehalten wird, damit der Zitronensaft oben bleibt und sich nicht zu sehr mit dem Orangensaft vermischt. Jetzt rührt man nur noch vorsichtig den Sunrise um, bis sich ein fließender Farbübergang gebildet hat.

Wenn wir jetzt schon im schönen Golf von Mexiko angekommen sind, bleiben wir gleich noch ein Weilchen dort. Und nehmen den direkten Weg ins "Floridita" im ehrwürdigen Havanna. Hier, in Kuba, steht die Wiege des Zuckerrohrs, ergo auch jene des daraus vergorenen Saftes bzw. der destillierten Maische aus den Rückständen der Zuckergewinnung, der Melasse. Im "Floridita" wird Daiquirí serviert.

Der Daiquirí ist ein tropischer, alkoholhaltiger Cocktail auf Basis von Rum. Das Wort Daiquirí stammt aus dem Kubanischen und ist der Name einer Siedlung, welche etwa 14 Meilen von Santiago de Cuba entfernt ist.

Das Original-Rezept dieses Shortdrinks von 1898 beinhaltet:

5 cl weißen kubanischen Rum
1-2 cl Rohrzuckersirup und 2 cl Limettensaft

Es gibt viele Variationen für diesen Cocktail. Meistens werden Daiquirís mit fein zerkleinertem oder pulverisiertem Eis im Mixer zubereitet, so dass sie eine schaumige Konsistenz bekommen (auch Frozen Daiquirí genannt). Seit Ende der 1990er sind Rezepte modern, bei denen der Limettensaft durch Fruchtmark ersetzt wird, z. B. Mango-Daiquirí oder Banana-Daiquirí.

Der Daiquirí war einer der Lieblingscocktails von Ernest Hemingway, der ihn in einer Variante bekannt als Papa Doble in seiner Stammbar "La Floridita" trank, mit doppelt Rum, Grapefruitsaft und Maraschino-Likör statt Zuckersirup.

Und wenn wir schon mal da sind, wo ein bärtiger Revolutionär jetzt schon im fünften Jahrzehnt seiner Regentschaft ist, dann muss auch ein Mojito her.

Der Mojito ist ein Cocktail aus weißem kubanischem Rum (z. B. Havana Club), Limettensaft, frischer Minze, hellem Rohrzucker und Sodawasser. "Erfunden" wurde der Mojito zwischen 1910 und 1920 auf Kuba. Bekannt ist er auch aus James Bonds "Stirb an einem anderen Tag".

Die kubanische Originalversion des Rezeptes: Ein gehäufter Esslöffel weißer Zucker wird mit genügend Sodawasser aufgelöst, mit dem Saft einer ganzen, frischen Limette und mit einigen Tropfen Angostura Bitter (ursprünglich ein Magenbitter, der aber in Lateinamerika für die Cocktailwürzung umgewidmet wurde) gewürzt. Darauf kommen 4 cl originaler weißer kubanischer Rum (keinesfalls Bacardi o. ä., da diese einen völlig anderen Geschmack haben). Ein Stängel Yerba Buena (Hierba Buena) wird in das zu drei Viertel mit Sodawasser aufgefüllte High-Ball-Glas gesteckt. Mit einem Löffel wird dann der Stängel der ganzen Länge nach an der Wand des Glases zerdrückt. Dadurch vermengen sich die ätherischen Öle des Stängels, die für den typischen Geschmack verantwortlich sind, mit dem Getränk. Das Ganze wird gut durchgerührt und mit Eisstücken bis zum Rand aufgefüllt.

Wechseln wir zum Abschluss noch kurz den Kontinent: Der White Russian ist ein alkoholisches Mixgetränk auf Basis von Wodka. Eine gewisse Berühmtheit erlangte der White Russian durch den Spielfilm The Big Lebowski als Lieblingsdrink von The Dude. Neben Wodka besteht dieser Cocktail aus Kaffeelikör (meist Kahlua oder Borghetti) und Obers. Die beiden alkoholischen Zutaten werden üblicherweise im Shaker mit Eis geschüttelt und dann in einen Tumbler (breiter niedriger Whiskybecher) abgeseiht; die Frage, ob der klassische White Russian mit oder ohne Eis serviert werden soll, wurde bis heute nicht endgültig entschieden. Kalt sollte er aber auf jeden Fall sein. Manche verzieren das Getränk mit einer Obershaube.

Der White Russian Longdrink wird dagegen nicht wie der gewöhnliche White Russian mit Obers beschichtet, sondern mit Milch aufgefüllt und im Longdrinkglas serviert. In einer anderen Variante, die durch The Big Lebowski stark an Popularität gewonnen hat, wird das Eis direkt mit in den Shaker gegeben. Ein feststehendes Verhältnis der Zutaten gibt es eigentlich nicht.

Hier also endet unsere kleine Reise durch die Welt der Cocktails. Damit wir aber nicht nur die ganz einfachen Drinks wieder einmal vorstellen und zur Nachahmung empfehlen, soll auch noch der dreimalige Staatsmeister in diesem Genre, Stefan Stevancsics, zu Wort - und zu einer Empfehlung - kommen. In diesem Sinne: Santé - und einen schönen Sommer.

Ihr Vene Maier

Vene Maier, der Autor unserer Cocktail-Story, ist seit über zehn Jahren Reisender in Sachen Genuss & Kultur. Seine Bücher über Schnaps und andere Genussmittel sind im Falter-Verlag erschienen.

*) Zur Minze ist noch zu sagen, dass sich die "gewöhnliche" Pfefferminze nicht so toll für Cocktails eignet, besser passt da die so genannte Hemingway-Minze. Das Aroma dieser Sorte ist minzig mit einem leichten fruchtigen Unterton. Die Pflanze stammt aus Kuba und ist die echte Minze für Mojitos.

Empfehlung:

Bombay Sapphire Dry Gin
0,7l, 40 Vol.-% aus Großbritannien
€ 17,49
Grundpreis/Liter: € 24,99

Tequila Jose Cuervo Clásico
0,7l, 38 Vol.-% aus Mexiko
€ 16,99
Grundpreis/Liter: € 24,27

Canadian Club
0,7l, 40 Vol.-% aus Kanada, Ontario
€ 17,49
Grundpreis/Liter: € 24,99

Barnetti Vermouth Rosso
0,75l, 14,5 Vol.-% aus Italien
€ 3,59
Grundpreis/Liter: € 4,79

Cointreau
0,7l, 40 Vol.-% aus Frankreich
€ 13,99
Grundpreis/Liter: € 19,99

Wodka Taiga
0,7l, 37,5 Vol.-% aus Österreich
€ 4,99
Grundpreis/Liter: € 7,13

Luxardo Maraschino Likör
0,5l, 32 Vol.-% aus Italien
€ 12,39
Grundpreis/Liter: € 24,78

Borghetti Liqueur di Caffé Espresso
0,7l, 31 Vol.-% aus Italien
€ 13,99
Grundpreis/Liter: € 19,99

DRINK-SPECIALS SOMMER 2006
Created by BarBrain Stefan Stevancsics

"Havana Feeling"

2 cl Havana Club 3 Yo
1 cl Vanillesirup
2 cl Limettensaft (frisch gepresst)
2 Minzezweige
auffüllen mit 12 cl Ginger Ale

Zubereitung: Minze mit Limettensaft vorsichtig mit einem Muddler (Mörser) im Glas andrücken, Vanillesirup und Rum dazugeben, leicht verrühren, Glas mit Eiswürfel füllen, mit Ginger Ale auffüllen und nochmals leicht durchrühren. Garnitur: Minzezweig. Bei diesem Rezept unbedingt Havana Club verwenden! Bei diesem Drink handelt es sich um eine Abwandlung des klassischen Mojitos aus Kuba. Der Drink ist speziell beim Alkoholgehalt reduziert, was die Möglichkeit schafft, ihn auch tagsüber an heißen Sommertagen zu genießen. Anstatt des ursprünglichen weißen Rohrzuckers und dem Sodawasser, welche im Original-Mojito zu verwenden sind, wird bei dieser Rezeptur durch den Vanillesirup eine weitere Geschmacksrichtung zugefügt. Mit dem Ginger Ale als Filler passt sie perfekt in diesen Drink.

"Kiwi-Maracuja Lassi"

1–2 Kiwis (geschält + geschnitten)
2 cl Maracujasirup
8 cl Naturjoghurt
6 cl Milch

Zubereitung: in einem Aufsatzmixer (Messermixer) mit etwas crushed ice (zerstoßenes Eis)ca. 20 Sekunden sämig mixen und in ein Longdrinkglas füllen.

Auszug aus einem Vortrag von Stefan Stevancsics über "Trend-Drinks": "Laut Nielsen-Studie (2004) erzielten sieben Kategorien innerhalb der internationalen Lebensmittel- und Getränkeindustrie zweistellige Zuwachsraten. Fünf dieser Kategorien warben mit Gesundheitsvorteilen oder schlankheitsfördernden Eigenschaften. An der Spitze lagen Getränke auf Sojabasis und Trinkjoghurts mit Steigerungen von 31 % bzw. 19 %. Unterstützt durch den Wellnesstrend kann man nun für die Bar die in Indien weit verbreiteten alkoholfreien Joghurtgetränke, die Lassis, einsetzen. Lassis können sowohl mit als auch ohne Alkohol gemixt werden."