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Andalusien: Sherry, Flamenco & Küche
In der Region am Scheidepunkt von zwei Kontinenten und zwei Meeren steckt nicht nur mediterranes Feuer, sondern auch das maurische Erbe Spaniens. Die südlichste Region Spaniens bildet die Brücke zwischen Europa und Afrika und verbindet das Mittelmeer mit dem Atlantik. Und: Andalusien ist die Heimat der kräftigen Tropfen und einer hervorragenden Küche.
Andalusien überwältigt mit einer der vielfältigsten Landschaften Europas. Jenseits der Gebiete am Meer liegen reiche Felder, wilde Berge, Pinien-, Kork- und Steineichenwälder - und Steppen und Sanddünen, durch die ein Don Quixote reiten könnte. Wundert es, dass eine so abwechslungsreiche Region auch kulinarisch viel zu bieten hat? Zu verdanken ist dies unter anderem den Mauren und Arabern, die 800 Jahre lang die Geschicke Andalusiens prägten. Sie brachten - neben wunderschöner Baukunst - Feigen, Melonen und Zitrusfrüchte mit. Zusammen mit den Fischen und Meeresfrüchten von den andalusischen Küsten und den feinen Würsten, Schinken und Gemüse aus dem Hinterland entstand hier eine variantenreiche Küche.
Variantenreich ist auch das Auftreten des Sherry: Vom hellgoldenen, trockenen, nach Mandeln duftenden Fino über nussige, halbtrockene Vertreter bis hin zu intensiv süßen Sorten reicht die Bandbreite. Besonders der Fino ist als Allrounder beliebt: Ein Schlückchen vom Trockenen klärt die Sinne und macht sich bei fast allen Gelegenheiten gut. Ein Genießer-Tipp vorneweg: Trockene Sherrys sollten immer sehr gut gekühlt werden und nicht lange in der angebrochenen Flasche auf den Genuss warten müssen - es geht ihnen da wie jedem Weißwein. Halbtrockene Sherrys werden auch gern etwas gekühlt, sie sind aber wie die süßen Varianten nicht ganz so empfindlich, wenn sie ein wenig in der geöffneten Flasche bleiben sollen.
Vor siebenhundert Jahren hatten die großen Erkundungsreisen von Spanien aus noch nicht begonnen; aber es waren andalusische Seefahrer, die damals eine bedeutende Entdeckung machten: Der Weinproviant auf See war viel haltbarer, wenn er mit Weingeist versetzt war. So entstand die Urform des Sherry, die man in den folgenden Jahrhunderten sehr verfeinerte. In England wurde der starke Wein durch einen Raubzug Sir Francis Drakes im Jahre 1587 berühmt, der 3000 eigentlich für die spanische Armada bestimmte Sherry-Fässer kurzerhand beschlagnahmte. In England entstand dann auch der Name Sherry: Die ursprüngliche, aus dem Arabischen stammende Bezeichnung Xeris - sprich scherisch - konnte in England kein Mensch aussprechen.
Sherry (Jerez) ist auch eine Herkunftsbezeichnung; den Namen dürfen nämlich nur Tropfen tragen, die aus dem Gebiet der Städte Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María stammen: dem "Goldenen Dreieck". Das hat seinen Grund: Der trockene Weißwein, der den Ausgangsstoff für Sherry bildet, wird mit Weingeist auf 15 bis 16 Alkoholgrade verstärkt und zur Lagerung in Eichenfässer gefüllt. Die feuchte und sauerstoffreiche Atlantikluft im "Goldenen Dreieck" lässt eine feine weiße Hefepilzschicht auf dem Wein entstehen, den flor ("Blume"). Besonders dessen Art überprüft der Kellermeister nach sechs bis zehn Monaten mit Hilfe der venencia, einer langen, biegsamen Stange mit schmalem Becher daran. Über den weiteren Werdegang eines Sherrys - trocken, halbtrocken oder süß - entscheidet maßgeblich die Beschaffenheit des flor. Alle Varianten werden nach dem traditionellen Solera-Verfahren gelagert - je länger, je lieber. Soleras heißen die Fassreihen, die der Wein im Laufe der Zeit durchwandert: Immer aus der oberen Reihe wird nachgefüllt, was der alleruntersten Solera entnommen wird. Daher hat Sherry keine Jahrgangsangabe.
Sherry & Küche: Variantenreichtum pur!
Ganz klar, dass Sherry nicht nur als Aperitif eine gute Figur abgibt! Seine nussige Kraft passt wunderbar zu Tapas, den einheimischen kleinen Köstlichkeiten. Ihre Vielfalt reicht von ein paar Salzmandeln und etwas Käse wie Manchego oder Idiazábal über Klassiker wie eingelegte Sardinen und Gemüsesalat bis hin zu filigranen Kreationen aus feinsten Zutaten. Eine gute Tapas-Bar erkennt man übrigens auch an den hausgemachten Würsten und den edlen Schinken vom iberischen Schwein, die von der Decke hängen. Neben dem großen Andrang Einheimischer natürlich!
Nicht nur einheimische Köstlichkeiten gefallen dem starken Andalusier: Versuchen Sie Sherry auch einmal als Begleiter zur klaren Fleischbrühe. Suppen geben sich oft sehr heikel, was Getränke angeht - mit Sherry gehen sie jedoch gern enge Verbindungen ein. Auch zu asiatischen Gerichten passt er, besonders, wenn sie mit Sojasauce gewürzt sind. Gemüse aus dem Wok mit Garnelen oder Geflügel, dazu ein Schlückchen Medium Dry: hmmm! Zum Dessert passen die süßen Sherry-Varianten oft ganz hervorragend - zu saftigen Kuchen ebenso wie zu fruchtigen Salaten. Geben Sie auch einmal einen Schluck über sehr gutes Vanilleeis! Blauschimmelkäse und süßer Sherry, das ist auch ein Klassiker. Vor Ort im schönen Andalusien oder daheim: Sherry ist immer ein Genuss!
Die großen Sherrykünstler!
Sandeman:
Es gibt eine Vielzahl ausgezeichneter Sherry-Produzenten im "Goldenen Dreieck". Einer von ihnen ist Sandeman - wer kennt ihn nicht, den zum Klassiker gewordenen, schwarzen Gentleman in Cape und Hut, der seit 1928 für das traditionsreiche Haus steht? 1790 wurde das Haus Sandeman gegründet, von dem Schotten George Sandeman, der sich 300 Pfund lieh, um sich einen Keller in London mieten und Wein aus Spanien und Portugal importieren zu können. Qualität für den Kunden sichern - das ist bis heute das Motto des seit 2002 zur Sogrape-Gruppe gehörenden Hauses, dem noch immer Mitglieder der Familie Sandeman vorstehen.
La Guita:
In Sanlúcar de Barrameda finden sich die Weingüter von Hijos de Rainera Pérez Martin. Die Sherrys, die aus einem wunderschönen Barockgebäude der historischen Altstadt von Sanlúcar stammen, heißen La Guita - eine Reminiszenz an den Gründer des Hauses, der interessierte Käufer stets fragte, ob sie denn auch "guita" hätten - ein spanisches Slang-Wort für Geld. Allgemein wurde das Sherry-Haus nur noch "La Guita" genannt - ein Markenname mit hohem Wiedererkennungswert also! Der Manzanilla des Hauses war der erste, dessen Abfülldatum auf dem Rückenetikett vermerkt war - eine wichtige Information für den Käufer, die Schule machte. Und die Kunden sind von der Qualität begeistert: La Guita ist der meistverkaufte Manzanilla-Sherry Spaniens!
Lustau:
Jünger, aber nicht minder traditionsbewusst ist das Haus Lustau. Auch hier pflegt man das, was auf deutsch schnöde "Verschnitt" heißt, als hohe Kunst: Die Vermählung verschiedener Weine und der Einsatz unterschiedlicher Lagerungszeiten zu wahren Sherry-Köstlichkeiten gelingt hier hervorragend - was auch dem Wein-Guru Robert Parker aufgefallen ist. "Ein toller Wein, der nur noch serviert werden muss."
Andalusien: Pures Leben!
In der autonomen Region Andalusien leben heute über 7 Millionen Menschen, davon etwa 3 Millionen in den großen Städten und Regionalzentren.
Das pulsierende Herz der Region ist die Hauptstadt Sevilla, lebendiges Zentrum und städtebauliches Juwel. Ein Muss für alle Musikfans, hier spielen "Carmen", "Figaro" und "Don Giovanni" die Hauptrollen. In den Adern der Einheimischen fließt Flamencoblut. Temperament, Lebensfreude und Nightlife ohne Ende - pures Leben eben.
Córdoba begeistert mit seiner Multi-Kultur seit über 1000 Jahren. Die Geburtsstadt des römischen Philosophen Seneca war ab 929 Metropole des Kalifats auf spanischem Boden und damit die große Konkurrenz zu Bagdad. Im 10. Jahrhundert noch Millionenstadt, leben heute 300000 Menschen in der Stadt am Guadalquivir, von den Mauren "Großer Fluss" (Wadi-al-Kebir) genannt. Sie liegt in der fruchtbaren Campiña, in der unter anderem Wein und Oliven gedeihen.
Granada ist Pflicht für alle Andalusien-Fans - eine Kulisse wie aus "1000 und eine Nacht"! Die verspielt-heitere Stimmung der Stadt am Rande der Sierra Nevada ist legendär. Fruchtbare Vega (Hochebene) und schneebedeckte Gipfel, ein kleiner Fluss und das gewaltige maurische Erbe bestimmen das Leben der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, in der heute 240000 Menschen leben.
Cádiz - Karneval und Flamenco. In der ältesten Stadt Europas pulsieren die heißen Rhythmen der Tradition und Moderne. Das Meer bestimmt das Leben der rund 145000 Einwohner. Von hier fahren Schiffe nach Afrika und auf die Kanarischen Inseln - das Tor in eine andere Welt.











