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Schon mal probiert, in Whisky zu baden?

Eine kleine Betrachtung zum Stellenwert hochgeistiger Getränke unter berühmten Literaten, Musikern und Verführern

Von Vene Maier und Gertraud Burtscher

Schaut man sich bei Amazon einmal um, dann tauchen unter dem Stichwort "Whisky" auf Anhieb über 100 Titel auf. Diese Bücher handeln alle vom schottischen Nationalgetränk, von der Geschichte, von den Menschen und den Landschaften, in denen er entsteht, und enthalten vielfach auch Verkostnotizen anerkannter Experten. Kaum ein Wort aber über die Inspiration, die der Whisky diesen und vielen anderen Autoren gegeben hat, ohne die viele Bücher und Musikwerke nie geschrieben worden wären.

Whiskytrinken hat viel mit Genuss zu tun. Viel strapaziert ist das Bild vom Kaminfeuer, der Zigarre und einem schönen Single Malt. Ein echt idyllisches Bild vom genießenden Connaisseur, der nach des Tages harter Arbeit entspannt in den Lederfauteuil sinkt und Gott einen guten Mann sein lässt. Aber Whisky macht es einem nicht immer leicht. Allein in eine Bar zu gehen und dort einen Whisky zu bestellen kommt einem Klischee gleich. Zu oft wurde Whisky in Begleitung alternder Westernhelden gesehen. Zu viel John Wayne, zu viele einsame Wölfe an kalten Wildwest-Abenden. Unzählige Lieder wurden auf ihn gesungen, als Nebendarsteller hat er in vielen Filmen so manchem Charakter Charakter verliehen. Trotzdem ist er nie abgehoben, hat nie die Starallüren seiner berühmten Trinker angenommen.

Und unendlich viele hat er inspiriert: Die Literaten aller Länder haben seit eh und je, und zumeist sehr ausgiebig, den Geist des Whiskys beschworen und uns wunderbare Literatur hinterlassen. Dass es dabei nicht immer so gesittet zuging, wie wir es von uns selber gewohnt sind, liegt wohl in der Natur der Sache, der Drinks also, denen die Männer - und darum handelt es sich in den meisten Fällen - gern und ausgiebig zugesprochen haben. Sinclair Lewis und Eugene O'Neill gehörten ebenso dazu wie William Faulkner, George Bernhard Shaw, Ernest Hemingway oder John Steinbeck. Interessant scheint in unserem Zusammenhang, was William Faulkner über seine Arbeitsweise notierte: "Die chemische Analyse der sogenannten dichterischen Inspiration ergibt neunundneunzig Prozent Whisky und ein Prozent Schweiß."

Diese Analyse spiegelt sich in den Texten und Titeln literarischer Werke in ungeahnter Häufigkeit wider. Der irische Dramatiker George Bernhard Shaw gibt einem seiner hochironischen Gedichte den Titel: "Whiskey is liquid sunlight". Bei T.C. Boyle trägt das Buch über 14 tragische Mittelschicht-Amerikaner den Titel "Wenn der Fluss voll Whisky wär" und John Steinbeck macht sich in seinem Roman "Wonniger Donnerstag" sorgen um seinen Helden: "Doc, der Meeresforscher mit dem großen Herzen, Anlaufstelle für sämtliche Sorgengeplagten in der Cannery Row, ist glücklicherweise auch noch vorhanden. Doch ist er kaum wiederzuerkennen. Die Unzufriedenheit nagt an ihm, der Whisky schmeckt nicht mehr...". Ein letztes Beispiel sei uns noch erlaubt: Joshua Sobol, einer der bekanntesten israelischen Dramatiker, schickt seinen Helden im Roman "Whisky ist auch in Ordnung" auf eine gefährliche Mission, die vergangene Verbrechen endgültig sühnen soll: Hanina Regev hat viele Identitäten, je nachdem, wen man fragt. Ein Star in der Werbebranche. Ein Dichter. Mossad-Agent. Frauenheld. Whiskykenner! Über seine Herkunft hüllt er sich in Schweigen. Nicht nur Sobols Held. Auch über den Ursprung des Whiskys weiß man nichts Genaues. Wahrscheinlich aber haben die Kelten die Kunst des Destillierens aus Indien in den Norden Europas gebracht. Aber es kann eben auch ganz anders gewesen sein. Und genauso rätselhaft geht es in guten Krimis und Thriller zu. Da erklärt sich die Hingabe der Gangster und der Kommissare zum Whisky von selbst.

Dass Gangster und Whisky auch im wirklichen Leben immer wieder eine gegenseitige Anziehungskraft ausüben, dazu hat u.a. die Prohibition ab 1920 in Amerika ihren Beitrag geleistet. Die Vereinigten Staaten werden durch das totale Alkoholverbot weder trocken noch friedlich, wie sich das die Befürworter erhofft hatten. Im Gegenteil: Aufgrund der immer größer werdenden Nachfrage gerade nach hochprozentigen Getränken wie Whisky wird die amerikanische Mafia durch den Alkoholschmuggel zu einer der reichsten und mächtigsten Organisationen. Gangster wie Al Capone werden zur Legende.

Aber wieder zurück zum Whisky und den Gangstern in der Literatur. Eines fällt dabei ganz besonders auf - je raffinierter der Gauner, desto raffinierter ist der Whisky, den er trinkt. "Cask strengh" ohne Wasser versteht sich von selbst. Und wenn wir schon bei Klischees sind noch ein Zitat: "Der große Detektiv hat immer Whisky in der Hand und einen enormen Schlag bei Frauen. Prügel steckt er klaglos ein. Der einsamste Wolf im Rudel der Detektive." (Raymond Chandler über seinen Romanhelden Philip Marlowe)

Viele (Literatur)-Helden schlürfen ihren Whisky in dunklen Bars und verrauchten Lokalen. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass eines der berühmtesten Musiklokale L.A.s "The Whisky" heißt. In dem weltberühmten Club haben The Who und The Doors 1966 als Hausband angefangen. Led Zeppelin, AC/DC und Jimi Hendrix haben ebenfalls hier gespielt. Die Beatles wurden bei ihrem ersten Besuch in Los Angeles von der Schauspielerin Jayne Mansfield ins "Whisky" eingeladen. Als sie von der Presse mehr oder weniger überfallen wurden, war es ein sehr verärgerter George Harrison, der einem Photographen seinen Drink auf seine Weise anbot. Der Club hat bis heute nichts von seiner Popularität verloren, wenngleich es heutzutage meistens Heavy Metal Bands sind, die auftreten.

Ob Falco jemals in "The Whisky" aufgetreten ist, entzieht sich der Kenntnis des Schreibers dieser Zeilen - aber der Verdacht liegt nahe: "Oiso, die G'schicht is a jene, des waß a jeder, weu des liegt doch auf der Hand. Es war mit Rock und Roll-Musik net immer leicht in diesem Land. Was in mir sitzt ist weiß gespritzt, des is ma völlig kloar, obgleich ich Whisky zech'n tua seitdem in USA ich war. Dort sagen's "Falco you are wonderful", kumm habt's mi langsam gern. Wenns meine Records trotzdem kaufen tätads, tät' mi des net stören..." (Textzeilen aus "America")

Und nachdem wir heuer das Mozartjahr feiern, wollen wir noch wissen, wovon sich "unser Wolferl" inspirieren hat lassen: Nun, Mozart war kein Whisky-Genießer. Mozart trank häufig und gerne Punsch. "Zu Mozarts Zeit war Punsch ein ausgesprochenes Modegetränk, das in Kaffeehäusern ebenso genossen wurde wie auf Bällen", schreibt Kurt Palm in seinem heiteren Buch über das genussvolle Leben unseres National-Komponisten.

"Den Punsch kennen gelernt hat Mozart im September 1764 in England." - Da ist er wohl auch Whisky begegnet, aber dieser scheint ihn nicht beeindruckt zu haben. - "Während man in England den Punsch seit Ende des 17. Jahrhunderts kannte, wurde er im übrigen Europa erst nach dem siebenjährigen Krieg "salonfähig". Hier spielte der Punsch bald auch als "Gesellschaftsgetränk" eine wichtige Rolle, wie etwa Giacomo Casanovas ausführlichen Schilderungen seiner erotischen Gelage zu entnehmen ist. Als Casanova Ende 1770 in Rom zwei junge Frauen namens Emilia und Armellina kennen lernte, zog er sich einmal während des Karnevals mit den beiden in das Separée eines Gasthauses zurück, wo sie zur Vorspeise 50 Austern aßen und zwei Flaschen Champagner tranken, ehe sie sich Punsch bestellten. Casanova schreibt: "Ich ließ Zitronen, eine Flasche Rum, Zucker, eine große Schale und heißes Wasser bringen und alles zusammen mit den zweiten 50 Austern auf den Tisch stellen. Dann schickte ich den Kellner fort. Ich bereitete einen guten Punsch, den ich durch eine Flasche Champagner spritzig machte. Nachdem wir fünf oder sechs Austern gegessen und Punsch getrunken hatten, über den die beiden Mädchen laut jubelten, so gut schmeckte ihnen dieses Getränk, verfiel ich darauf, Emilia zu bitten, sie solle mir mit ihren Lippen eine Auster in den Mund schieben. (...) Mit diesem schönen Spiel aßen wir die übrigen Austern und leerten dazu weitere Gläser Punsch."

Zum Schluss noch einmal zurück zu den Literaten und deren besonderer Whisky-Leidenschaft. Der russische Dichterfürst Maxim Gorki notierte, als er als politischer Flüchtling auf Capri lebte: "Ich habe die alkoholischen Getränke aller Länder versucht. Nicht deshalb, weil ich von Natur aus ein Säufer bin, sondern weil der Mensch eine Möglichkeit haben muss, sich auszuleben. Ich trank solche Riesenmengen, dass sogar Engländer kamen, um mich anzustaunen. Fasziniert beobachteten sie mich, dann zuckten sie lächelnd die Achseln. Einer von ihnen fragte mich: "Sagen Sie, Mr. Gorki, haben Sie es schon probiert, in Whisky zu baden?"

Vene Maier, der Autor unserer Whisk(e)y-Serie, ist seit über zehn Jahren Reisender in Sachen Genuss & Kultur. Seine Bücher über Schnaps und andere Genussmittel sind im Falter-Verlag erschienen.
Gertraud Burtscher, die Co-Autorin dieser Story, ist Chefredakteurin des Journals zur weinwelt.at.

Literaturtipps:

Donald W. Goodwin: Alkohol & Autor. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2000
Kurt Palm: Der Wolfgang ist fett und wohlauf.
Löcker-Verlag, Wien 2005
Whisky: A Gentleman’s Choice (www.t-online-business.de)
John Steinbeck: Wonniger Donnerstag. DTV 1987
T.C. Boyle: Wenn der Fluss voll Whisky wär. DTV 1994
Joshua Sobol: Whisky ist auch in Ordnung.
Luchterland Literaturverlag 2005
America: Lyrics: FALCO, Music R. &. F. Bolland;
Published by Bolland M./Nada M./Manuskript

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