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Wo reife Früchte hochprozentig punkten

Wo reife Früchte hochprozentig punkten

Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps, sagt der Volksmund. Blödsinn! Was die Qualität von Destillaten betrifft, so reicht die Palette - im übertragenen Sinn - vom rostigen Lada, der beim Anstarten wie ein Schlot raucht, bis zum Gesamtkunstwerk Ferrari, der schon beim Klang des Wortes alle Sinne betört.

Erfreulich: In Österreich haben Edelbrände in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. In den Gourmettempeln gehört es längst zum guten Ton, spätestens nach dem letzten Gang ein Stamperl auf die Kunst der Küchenbrigade zu heben - und natürlich aufs eigene Wohlbefinden sowie auf jenes der Tischgenossen.

Unbefriedigend: Jenseits der Landesgrenze ist unsere mittlerweile hervorragende Schnapskultur jedoch völlig unbekannt. "Österreichs Edelbrände haben mit den heimischen Weinen zwei sehr tiefgehende Gemeinsamkeiten", schrieb kürzlich Experte und Weinwelt-Redakteur Vene Maier in einer Tageszeitung. "Sie gehören einerseits zum Besten, was weltweit auf diesem Gebiet produziert wird, spielen andererseits aber international (noch) keine Rolle." Und weiter: "Wir Österreicher sitzen auf einem Schatz, um den uns die Welt beneiden könnte - wenn sie denn davon wüsste."

Klar, sauber, transparent: Schnaps aus Österreich

Die Alpenrepublik ist reichlich gesegnet mit erstklassigem Obst, und das Brennen von Schnaps hat in unseren Breitengraden eine lange Tradition. Klar, sauber, rein, dabei wohlschmeckend, bekömmlich und animierend sind jene Destillate, die aus erntefrischen, vollreifen Früchten gewonnen werden. Das schwierige Handwerk, frische, saftige und fruchttypische Aromen mit wohldosiertem Alkohol zu verweben und in die Flasche zu bannen, beherrschen nur die besten Schnapsbrenner.

Ein Beispiel für die absolute Oberliga ist die Grand Dame der heimischen Brenner, Waltraud Jöbstl vom Schilcherberg im steirischen Wernersdorf. Sie zählt seit vielen Jahren auch international zur Edelbrand-Elite und beweist mit Spezialitäten wie ihrem Zigarrenbrand eindrucksvoll, dass Schnapsbrennen längst nicht mehr Männersache ist. Im Jahr 2000 konnte sie mit dem Titel "Edelbrennerin des Jahres" ihre bemerkenswerte Karriere krönen. Ihre vorbildliche Destillierarbeit sorgt regelmäßig für einen imposanten Medaillenregen. Über einen zweiten Meister seines Faches, Markus Wieser, werden wir noch ausführlich berichten.Anleitung zur Pflege derSchnapstrink-Kultur

Das Glas: Hände weg vom Stamperl! Damit die Aromen perfekt zur Geltung kommen, sollten Sie zum Stilglas in Tulpenform greifen. Nicht schwenken, damit der Alkohol nicht entweicht.

Die Trinktemperatur: Bei gekühlten Bränden können sich die Fruchtaromen nicht gut entfalten. Ideal sind 15 bis 18 Grad Celsius.

Das Timing: Lassen Sie - auch wenn's schwer fällt - das Glas einige Minuten stehen. Der Sauerstoff bindet spitze Alkoholtöne harmonisch ins Destillat ein.

Der Durchblick: Klare Obstbrände müssen sauber und farblos sein. Trübungen sind ein Zeichen für Fehler und/oder künstliche Zusätze.

Das Riechen: Bei der Geruchsprobe geht es vor allem ums Erkennen von Fehlern. Aggressives Stechen in der Nase weist auf zu viel Alkohol im Destillat hin, Lack oder Kunststoff sind ein Signal für hohe Vorlaufanteile, faulige Gerüche für Nachlauf. Beides ist beim Brennen unerwünscht.

Der erste Schluck: Erst beim Verkosten eines kräftigen Schlucks, der Gaumen und Zunge voll erfasst, zeigt sich, welches Potenzial der Edelbrand wirklich hat. Der Geschmack soll lange und sauber am Gaumen erkennbar sein, und auch im leeren Glas verbleibt ein angenehmer Duft.

Edel-Brenner Markus Wieser

"Nein, kein Künstler - ich bin Handwerker", so die Antwort von Markus Wieser auf die Frage nach Profession und Selbstverständnis. Dass der waschechte Wachauer zu Österreichs renommiertesten Schnapsbrennern zählt, wird mit britischem Understatement tiefgestapelt. "Die vergangenen 20 Jahre waren harte Arbeit und der Erfolg alles andere als vorprogrammiert."

Aufgewachsen ist Markus Wieser beim Großvater Josef Jamek, Begründer des international hochangesehenen Weinbetriebes in Joching. Der hatte, wie in der Region üblich, nebenbei eine Schnapsbrennerei, und Marillenklauben nach der Schule war für Klein-Markus immer eine Selbstverständlichkeit. Nach einem kurzen Gastspiel an der Wiener Uni übernimmt Markus Wieser 1986 die Schnapsbrennerei vom Großvater. Schritt für Schritt lernt er das Handwerk des Brennens, sorgt mit allerlei Exotenbränden für Schlagzeilen und hamstert mit Fruchtdestillaten unzählige Medaillen.

Heute werden in seiner Manufaktur in Wösendorf pro Jahr 200 Tonnen Obst verarbeitet, rund die Hälfte davon stellt "das Kapital der Wachau" (O-Ton Wieser), die Marille. Aus ihr brennt er heute fünf verschiedene Qualitäten, ein gutes Dutzend anderer Frucht- und Tresterbrände runden sein hochprozentiges Angebot ab. Ausgesprochen erfolgreich ist auch die von Gattin Johanna händisch zubereitete Wachauer Marillenmarmelade. Ebenfalls hoch im Kurs: Wieser-Schokoloade und Wieser Marillenkernkosmetik.

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