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Von Iren Franzosen und Indianern

Von Iren, Franzosen und Indianern

Man sagt, die Indianer wurden mit Feuerwasser besiegt. Flüssiger Alkohol war ihnen nämlich unbekannt, der kam erst mit den Engländern, den Holländern, Franzosen, Deutschen und all den anderen Einwanderern. Und nicht zu vergessen: Den Iren.

Von Vene Maier

Die Iren verstanden ihr Handwerk, darunter die Destillation, und sie verstanden, ihre Kultur zu etablieren. Einige Anmerkungen zur Geschichte des "Bourbon-Whiskey".

Mich drängt es im Zuge dieses Artikels James Joyce - der im Wesentlichen nichts mit Joyce, sondern hauptsächlich mit Bourbon-Whiskey zu tun hat - unterzubringen. Sicher ist, dass Joyce, wäre er in die USA statt nach Italien emigriert, im Lande Washingtons und Roosevelts dem Bourbon statt Grappa und Wein zugesprochen hätte. Allein, er konnte nicht, weil Joyce, nachdem sein "Ulysses" auf die US-Verbotsliste gesetzt und er als Autor gleich mit geächtet wurde, damit nichts mehr am Hut hatte.

Und überdies herrschte gleichzeitig mit dem Leseverbot des "Ulysses" auch die Prohibition, die erst 1933 von Franklin D. Roosevelt abgeschafft wurde. Und hier ergibt sich auch ein gewisser Zusammenhang mit James Joyce: Zeitgleich mit der Prohibition wurde auch das Verbot des "Ulysses" aufgehoben, wodurch für US-Leser das Vergnügen, sich durch das 1000-Seiten-Werk zu arbeiten, zu einer legalen Tätigkeit wurde. Und darauf haben manche vermutlich einen Bourbon gehoben.

Sicher ist, dass die Iren viel zur Entstehung des Bourbon beigetragen haben. Inwieweit auch bei den schon erwähnten US-Präsidenten irisches Blut eine Rolle gespielt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Dennoch kann gesagt werden, dass sowohl George Washington als auch Franklin D. Roosevelt viel mit dem Nationalgetränk der US-Staaten zu tun gehabt haben. Wie es so ist im Land der unbegrenzten Widersprüche, gründeten beider Existenzen wesentlich auf der Herstellung von Destillaten. Washington, der 1794 mit seiner Steuer auf Alkohol die so genannte "Whiskey-Rebellion" hervorrief, war selber Betreiber einer Brennerei, und auch die Roosevelt-Familie begründete ihren Reichtum ursprünglich auf der Destillation alkoholischer Getränke.

Die Roosevelts machten ihre frühen Geschäfte mit importierter Melasse. Rum herzustellen war freilich kein Geschäft auf Dauer. Mit der Eroberung des Wilden Westens, die mit rauchenden Colts ebenso wie mit brennendem Wasser durchgeführt wurde, änderten sich naturgemäß auch die Grundlagen für die Alkohol-Produktion. Getreide, vor allem Roggen, und später das Grundnahrungsmittel der Indianer, der Mais, wurden zur Basis des amerikanischen Whiskey (die irische Schreibweise hat sich in den USA - kein Wunder bei den vielen ausgewanderten Iren, die mit ihren Gewohnheiten viele Bereiche des "American way of life" definierten - letztlich durchgesetzt).

Die Vorherrschaft des Rums ging zu Ende, als in Nordamerika die nordeuropäischen Einwanderer zahlreicher wurden und sie ihre lieb gewonnenen Speisen und Getränke nicht aufgeben wollten. Die Besiedlung Nordamerikas fand von der Ostküste mit ihren großen Einwanderungs-Städten Boston, New York und Philadelphia aus statt. Da Getreide gut auf den Böden gedieh, war sehr bald ein Getreide-Überschuss vorhanden, den die Bauern durch Destillation "haltbar" und leichter zu transportieren machten. Mit dieser Veredelung des Getreides konnten sich die Bauern ein schönes Zubrot zu ihrer sonst doch kargen Existenz verdienen. Die ersten bäuerlichen Brennereien entstanden so in den Staaten Maryland, Pennsylvania und Virginia.

Doch bis es so weit war, mussten sich die Bauern anstrengen, um die geeigneten Zutaten für die Whiskey-Produktion anzubauen bzw. zu finden. Die für die Fermentierung notwendige Gerste wuchs auf den Böden nur sehr sparsam und brachte keine guten Erträge. Der Mais, von den Indianern bereits zu gutem Ertrag herangezüchtet, versprach da bessere Ergebnisse. Sehr bald fand man heraus, dass sich der Mais mit Gerste, Roggen und Weizen sehr gut mischen ließ. Torf zum Heizen der Trockenfeuer für das Gerstenmalz fand man nicht. Doch dafür gab es ausreichend Wälder, die den Heizbedarf decken konnten. Auf den Rauchgeschmack im Whisky musste man aber leider verzichten. Die durch den fehlenden Torf bedingte geringere Würze des Whiskys versuchte man durch Zugabe von Hopfen, die Verwendung von Roggen und das Auskohlen der Fässer zu kompensieren. Und in den unberührten Weiten des neuen Kontinents fand man reichlich sauberes und eisenfreies, mineralarmes Wasser.

Die Geschichte der USA hat viele Facetten: wilde, widersprüchliche und skurrile. Und dazu ist sie gespickt mit Namen berühmter Menschen wie ein Nadelkissen mit tausend bunten Köpfen.

Washington wie Roosevelt stammen - wie erwähnt - aus Familien-Dynastien, die ihren Reichtum und Einfluss aus dem Geschäft mit "Feuerwasser" bezogen. Dennoch - oder gerade deswegen? - war es George Washington, dem die glorreiche Idee der Besteuerung von destilliertem Alkohol einfiel. Er musste ja schließlich wissen, dass hier (nach dem Unabhängigkeitskrieg) viel Geld für seine maroden Staatsfinanzen zu holen war. Allein: Die Einwanderer wollten dies nicht so einfach hinnehmen, und sie probten in Pennsylvania den Aufstand.

Die ebenso frommen wie trinkfreudigen Siedler wehrten sich gegen diese Steuer, indem sie sich auf die Bibel beriefen. Dort steht geschrieben: "Gebt starkes Getränk denen, die elend sind, und Wein den betrübten Seelen."

Nach einigen Aufständen der Siedler entschloss sich George Washington mit 13.000 Soldaten gegen die aufsässige Landbevölkerung vorzugehen, was ihm 1794 gelang, er schlug die Whiskey-Rebellion nieder. Folglich zog es immer mehr Siedler in Richtung Westen, ins heutige Kentucky, wo sie sich niederließen, um Getreide anzubauen, zu beten und zu destillieren.

Die Indianer, die Ureinwohner Amerikas, kannten dagegen weder vergorene Pflanzensäfte noch gebrannte Destillate. Die einzigen alkoholischen Nahrungsmittel waren vermutlich vergorene Früchte. Die Destillation alkoholischer Flüssigkeiten kam erst mit den Einwanderern aus Europa in die neue Welt.

Den Namenszusatz "Bourbon" erhielt der amerikanische Whiskey indirekt durch die Hilfe der Franzosen im Befreiungskrieg der jungen Nation gegen die englische Krone. Nach dem Sieg über die englischen Truppen wurde aus Dankbarkeit ein County im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Indiana und Kentucky zu Ehren des französischen Königshauses Bourbon benannt (Bourbonen - französische Königsfamilie 1579 bis 1792). Zunächst wurde die Herkunftsregion des Whiskeys mit dem Schriftzug Bourbon auf den Fässern vermerkt. "Bourbon" bürgerte sich für den Whiskey aus der gesamten Region zunehmend ein und wurde 1964 auch gesetzlich geschützt.

Es war vor allem der Wunsch nach einer eigenen "amerikanischen" Whiskeysorte, der die damaligen Brenner zum Mais führte. Außerdem war Mais ein Getreide, das in den dortigen Breiten wie kein anderes gedieh.

Wahrscheinlich war der Baptistenprediger Elijah Craig der Schöpfer des "Mais-Whiskeys", den er bereits 1789 brannte.

Jede der heute noch bestehenden Brennereien ist mit den berühmten Namen der amerikanischen Whiskey-Pioniere und deren Dynastien verbunden. Sei es der Schotte James Crow, der den Reifungsprozess in neuen, angekohlten Eichenfässern praktizierte, seien es die Beams, die sich heute in der siebten Generation persönlich um ihren Whiskey kümmern, oder Mr. Daniels und seine Nachfahren in Tennessee, die ihre Bourbons nach dem Mellowing-Verfahren (Holzkohle-Filterung) herstellen.

Franklin D. Roosevelt gewann seinen Wahlkampf mit dem Versprechen, die Prohibition zu beenden.Im Jahr 1933 zog er folgerichtig die Konsequenz und hob das Gesetz mit dem 21. Amendment zur Verfassung wieder auf. Worauf viele US-Bürger das Glas auf ihn erhoben und sich den "Ulysses" vornahmen - die meisten wohl, um daran zu scheitern.

 
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