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Journal Stories

Sono Amarista ...

...ich bin ein "Amarista". Ob Averna, Fernet und Ramazzotti, ob Aperol, Campari und Angostura - ich liebe die Bitters.

Ein Bekenntnis von Vene Maier.

Italien ist ein Land , in dem die Leidenschaft ein fester Bestandteil der Charaktere ist. Ob Tifosi, Ferraristi oder Amaristi - für alles und jedes gibt es Anhänger, und diese pflegen ihre Leidenschaft. Mit Hingabe - und mit Ausdauer.

Jetzt wissen Sie sicher, liebe Leser, was ein Tifosi und ein Ferraristi ist, vielleicht ist Ihnen aber der Begriff des "Amaristi" noch fremd. Wir klären Sie auf: Es sind dies all jene Genießer (und beileibe nicht nur Italiener), die die Bitters lieben. Obwohl "Google" unter diesem Begriff nur dürftige zehn Ergebnisse meldet und keines davon sich auf unsere Definition bezieht, ist es doch der einzig wahre Name für Leute wie mich. Ich trinke ja einerseits sehr viel (also sagen wir lieber: ich verkoste - Job ist Job), aber ich bekenne auch, dass ich zur richtigen Stunde in der richtigen Stimmung und der richtigen Landschaft gerne zu einem Amaro greife.

Amaro wiederum nennen die Italiener - die mir, nebstbei gesagt, mehrheitlich auch eher sehr sympatisch sind - die Liköre auf Basis von Kräutern und mit bitteren Anteilen. Letztere sind ja alle etwas geheim, aber ein paar charakteristische Zutaten sind dann doch da wie dort nicht zu verheimlichen. Jedenfalls: Kräuter sind an sich eher der Bitterkeit zuneigend, dazu gesellen sich Zitrusfrüchte und Kerne und Rinde und Schalen. Viele Versuche ergeben irgendwann auch die richtige Mischung. Und wenn's passt, dann passt's.

Chronologisch gesehen beginnt der Siegeszug der Bitters im beginnenden 19. Jahrhundert. Zum Beispiel im Jahr 1815: In der Nähe der Mailänder Arena ist Ausano Ramazzotti in seinem kleinen Laborgeschäft unermüdlich bei der Arbeit. Gerade erst 24, hat er bereits ein ungewöhnlich großes Wissen über Kräuter, den Wein- und Likörhandel. Sein Ziel: Er möchte einen eigenen, besonders milden Kräuterlikör entwickeln. Nach unzähligen Versuchen und endlosen Nächten ist der junge Ausano endlich am Ziel: Ihm gelingt eine harmonische Mischung aus 33 verschiedenen Kräutern und Wurzeln mit extrafeinem Alkohol. Dies ist der Beginn des großen Erfolges von Ramazzotti.

Orange, Bitterorange, Chinarinde, Enzian, Rhabarber, Zimt und Oregano und 26 weitere (geheime) Zutaten: So schaut's aus, innen in einer Ramazzotti-Flasche. Zunächst nur in Mailänder Kaffeehäusern genossen, ist der Triumph dieses Kräuterlikörs bald nicht mehr aufzuhalten. Das Laborgeschäft wird zu klein und 1872 zieht das Unternehmen in die Mailänder Via Canonica, wo sich bis heute der Hauptfirmensitz befindet.

Ungefähr zu dieser Zeit an einem anderen Ort: Im Jahre 1868 gründete Salvatore Averna in der Via Xiboli im sizilianischen Caltanissetta ein kleines Unternehmen, in dem er für sich und seine Freunde einen Kräuterlikör braute. Das Rezept überließ ihm der befreundete Mönch Fra Girolamo aus dem Kloster "Santo Spirito" - ein Geheimrezept natürlich, wie wir schon wissen. Während der Mönch vermutlich arm, jedenfalls ohne Nachwuchs und auch weitgehend unbekannt blieb, wurde aus Salvatores Sohn Francesco Averna ein reicher und berühmter Mann. Der "Amaro Averna" wurde nämlich sehr schnell nicht mehr nur im Freundeskreis getrunken, sondern über die Grenzen Siziliens und Italiens hinaus bekannt. Und blieb dies bis heute.

Ebenfalls in Mailand (also wie die Ramazzottis) werkte und wirkte der Apotheker Bernardino Branca und erfand zusammen mit dem schwedischen Doktor Fernet ein Elixier, das unter beider Namen viel Gutes in der Welt der Gastroverstimmung geleistet hat. Das erste Geschäft wurde 1845 am Corso di Ponta Nuova eröffnet, heute ist die Fratelli Branca Destillerie aufgrund weltweiter Nachfrage ein ganz schön gesundes Unternehmen.

Fernet Branca wird nach einem (richtig: geheimen) Familienrezept aus über 40 Kräutern hergestellt. Laut Hersteller beinhaltet Fernet Branca u. a. Enzian, Safran, Kamille, Myrrhe und Holunderblüten. Fernet Branca muss über ein Jahr in Eichenfässern reifen, um seinen Geschmack zu entfalten. Getrunken wird er pur, auf Eis oder als Longdrink. Fernet Branca wird - wie übrigens auch der Ramazzotti - auch in der Geschmacksrichtung Fernet Branca Menta (mit extra hohem Pfefferminzanteil) angeboten.

Jetzt, wo wir wissen, was wann wo von wem erfunden wurde und noch immer produziert wird, wissen Sie auch, wann und wo Sie welchen Bitter brauchen. Jedenfalls sollte es schöne Plusgrade haben und ein laues Lüfterl wehen, dann passt das eine wie das andere. Entweder pur oder gespritzt oder mit Eis und einem Schuss Zitrone. Hauptsache zart-bitter.